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erwähnt; es war damals noch gar nicht bekannt. (?2 siehe oben S. 73.)
Trotzdem wurde nach eifriger Bemühung der Gewerkvereinsleitung aber
bekanntlich die Aufhebung des Streikbeschlusses beschlossen.“ Dazu be—
merken wir: Es interessiert uns nicht, zu beweisen, der Brief des Bischofs
von Trier sei als Absage an die christlichen Gewerkschaften beabsichtigt.
Aber die „Köln. Volksztg.“ vermag auch nicht gegenüber der „Rhein.
Westfäl. Ztg.“ — felbst mit Hilfe der falschen Daten über die Ankunft
des Briefes — das Gegenteil zu beweisen. Denn da der Bischof von
Trier am 28. Dezember, als er den Brief schrieb, nicht wußte, welche
Ansicht die Gewerkschaftsführer am 29. und 30. Dezember vertraten,
ist die Uebereinstimmung von seiten des Bischofs wohl nur eine zu—
fällige, d. h. vom Bischof nicht vorhergesehene. Diese Beweisführung,
durch welche die „Rhein.-Westfäl. Ztg.“ nicht widerlegt wird, legt
uns den Verdacht nahe, daß die „Köln. Volksztg.“ auf Umwegen mit
den falschen Daten den Einfluß des bischöflichen Schreibens ableugnen
wollte. Unlogisch wird man gern, wenn man seine wahren Absichten
verbergen will. Die falschen Daten über die Ankunft
und das Bekanntwerden des bischöfl. Schreibens
warenjedenfallszweckdienlich, dasselbe als über—
flässig hinzustellen. Wir lassen es einmal dahingestellt, ob
durch den Brief des Bischofs Mitglieder der Revierkonferenz gegen den
Streik eingenommen worden sind. Wir wollten bloß zeigen, wie sich
die „Köln. Volksztg.“ zu wenden und zu drehen weiß aus Fürsorge
für ihren Schützling. Diese Fürforge für die christlichen Gewerkschaften
bringt die „Köln. Volkszg.“ manchmal in Widerspruch mit sich selbst.
Zuerst ist es ein großer Fehler der Berliner, daß sie sich nicht „kaltstellen“
ließen und Antistreikagitation getrieben haben, dann aber gibt sich
die „Köln. Volksztg.“ wieder alle Mühe, die Palme, den Streik ver—
hütet zu haben, sich selbst (that noch vor der entscheidenden Revier—
konferenz energisch zur friedlichen Verständigung gemahnt“, Nr. 24 vom
9. Januar 1913) und dem christlichen Gewerkverein allein zu vindizieren.
Wir gestehen offen, daß die Berliner zu solchen opportunistischen Wen—
dungen nicht geneigt sind, sie gehen den geraden Weg, den ihnen die
katholische Flagge zeigt.
8.
Lehrreiche Beispiele aus der Praxis und für
die Praxis zur Gewerkschaftsfrage lieferten einige
Artikel, in denen „Der Bergknappe“, Organ des Gewerkvereins
christlicher Bergarbeiter, und das „Fentralblatt der christ—
lbichen Gewerkschaften“, Stellung nehmen zu dem Schreiben
des Hochwürdigsten Herrn Bischofs von Trier. Der „Bergknappe“
bemerkt dazu am 18. Januar 1913, zunächst im Anschluß an einen
sich mit dem Briefe des Bischofs befassenden Artikel der sozialdemo—
kratischen Leipziger Volkszeitung:
„Die Darstellung des Genossenblattes ist ja falsch. Durch die Haltung
des Bifschofs von Trier ist aber für viele Arbeiter wieder mal der Schein
erweckt, als wenn die Kirche und deren Diener Gegner der wirtschaftlichen
Besserstellung und der wirtschaftlichen Freiheit der Ärbeiter und Verbündete
des Kapitals feien. Dieser Schein aber ist für die Kirche und deren Aufgaben
recht gefährlich und hat zur Folge, daß der Unglaube sonst nicht mögliche
Fortschritte macht. Auch im Interesse der Kirche und mit Rücksicht auf die
heute 8 scharf umstrittenen Seelen sollen deshalb die Kirchenfürsten etwas
mehr Zurückhaltung üben, als es in diesem Falle geschehen ist.“