Full text : Memorandum zur Bergarbeiterstreikbewegung im Saarrevier 1912 - 13

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Dem Hochwürdigsten Herrn Bischof gebührt aufrichtiger Dank
dafür, daß er durch diesen von edler Liebe zu den Arbeitern und ihren
Familien eingegebenen Brief die vorhergehenden Bemühungen der
Geistlichen anerkannt und sie bestärkt hat in dem Bestreben, möglichst
auf friedliche Weise für das Wohl der Arbeiter besorgt zu sein. Auch
die katholischen Bergarbeiter werden ihrem Bischof Dank wissen für
die Worte eines besorgten Vaters, der es immer gut mit seinen Kindern
meint.
An dieses bischöfliche Schreiben knüpften sich allerlei Erörterungen.
Die „Köln. Volksztg.“ Nr. 75 meinte, der Brief sei nicht für die Oeffent—
lichkeit bestimmt gewesen. Doch darüber zu streiten ist nebensächlich.
Der Brief ist zwar an die Dechanten gerichtet; aber sein Zweck ist, die
Arbeiter zu bewahren vor einem Streik mit seinem Elend. Der Bischof
setzt voraus, daß die Geistlichen ohne seine Anregung schon alles auf—
bieten, um ihre Pfarrkinder von einem unseligen Streik zurückzuhalten.
Er glaubt, die Geistlichen noch eigens bitten zu sollen, die Arbeiter
vor einem unüberlegten Schritte zu warnen. Die Dechanten sollen die
Geistlichen ihres Dekanats in geeigneter Weise verständigen. Der
Bischof von Trier entschloß sich um so eher zu diesem Vorgehen, weil
er vor 20 Jahren selbst sich überzeugt hatte von dem Elende, welches
damals der Streik in viele Bergarbeiterfamilien gebracht hat, und
weilker auch hoffen konnte, daß die katholischen
Bergarbeiter des Saarreviers gern bereit sein
würden, in dieser Angelegenheit, worin auch das
Sittengesetz und das Gewissen stark in Frage
kommt, von ihrem Seelsorger und Bischof sich be—
raten zu lassen.
Indem die Dechanten der Bitte ihres Bischofs nachkamen, konnten
sie nicht umhin, den Geistlichen ihres Dekanats von dem Schreiben des
Bischofs Mitteilung zu machen. So mußte selbstverständlich das
hischöfliche Schreiben in die Oeffentlichkeit kommen, auch schon deshalb,
damit nicht allerlei falsche Auffassungen über den Inhalt desselben auf—
kommen konnten. Uebrigens braucht der Brief wahrhaftig die Oeffent—
lichkeit nicht zu scheuen, er macht vielmehr bei allen Einsichtsvollen und
leidenschaftslos Denkenden dem Bischof von Trier alle Ehre. Einer
Bemerkung der „Köln. Vlksztg.“ gegenüber (in Nr. 75, 1913) genügt
es uns, festzustellen, daß der bischöfliche Brief nicht zuerst durch die den
Berlinern nahestehende Presse veröffentlicht worden ist

2.
Die „Köln. Volksztg.“ schreibt am 9. Januar 1913 (Nr. 24): „Dieses
(bischöfliche) Schreiben ist am Tage der entscheidenden
Revierkonferenzindie HändederHerren Dechcnten
gelangt.“ Diese Angabeistfalsch. Der Tag der entscheidenden
Revierkonferenz war am 30. Dezember 1912. Das bischöfliche Schreiben
gelangte schon am Nachmittage des 28. Dezember in die Hände des
Herrn Dechanten Metzdorf von Saarbrücken. Dieser verständigte noch
am 28. Dezember abends gegen 6 Uhr durch Telephon die Herren
Definitor Wiegand von Völklingen, Pfarrer Heen von ——
Pfarrer Weber von Guichenbach und Pfarrer Bengert von Burbach
über den Inhalt des Schreibens; anderen Geistlichen ließ er es zur
Einsicht durch einen Eilboten am 29. Dezember zugehen. Der Dechant
Hansen (Dek. Ottweiler) hatte den bischöflichen Brief ebenfalls
            
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