Full text : Memorandum zur Bergarbeiterstreikbewegung im Saarrevier 1912 - 13

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positiv christlichen Grundsätzen tätig sind, werden dem sozialistischen
Zeitgeist auf die Dauer nicht widerstehen; sie werden, wegen Mangel
an innerem Wahrheitsgehalt von ihm angesteckt, das gute Ziel nicht er—
reichen. Vgl. Matth. 15, 13: „Jegliche Pflanzung, die mein himm—
lischer Vater nicht gepflanzt hat, wird ausgerottet werden.“
c) Den Vorwurf Köln. Volfksztg. Nr. 89), daß der
Berliner Verband die eventuelle Ausbreitung der
Sozialdemokratie im Saarrevier zu verantworten
habe, weisen wir entschieden zurück. Woher kommen die
dielen Tausende Sozialdemokraten in jenen katholischen Gegenden, wo
der Berliner Verband noch keinen festen Fuß fassen konnte, wo aber
alle jene (in Nr. 89 K. V.) gepriesenen Einrichtungen schon lange sind,
die uns als Mittel gegen die Sozialdemokratie empfohlen werden,
hristliche Gewerkschaften, katholische Arbeitervereine süd- und west—
deutscher Richtung, Volksverein? Sind unter den Katholiken dort, wo
die Christlichen allein dominieren, etwa weniger Sozialdemokraten als
sonst? Vielleicht würde eine Statistik hier Aufklärung bringen, wie
sich die Grundsätze der christlichen Gewerkschaften in der Praxis in so—
zialer und politischer Hinsicht bewährt haben.
Die katholischen Arbeitervereine sind wichtig, allein was nützen
die besten Arbeitervereine, wenn 60 Prozent aller Mitglieder der christ—
lichen Gewerkschaften ihnen nicht beitreten. Die Lücke besteht nicht bloß
im Saarrevier, sondern auch sonst. Auch die kathohbischen Ar—
beitervereine werdenes nicht fertig bringen, auf
die Dauer ihre Mitglieder vor sozialdemokrati—
schen Neigungen zu bewahren, wenn sie ihnen nicht
die richtigen Grundsätze der katholischen Kirche in
Hinsicht auf die Beurteilung der wirtschaftlichen
Berufsangelegenheiten, wie sie in der Enzyklika
Singulari quadam niedergelegt sind, beizu—
bringen vermögen. Die Basis des Sozialismus ist eine un—
christliche Weltanschauung; er schadet am meisten durch Außeracht—
lassung Gottes und seiner Gesetze in irdischen wirtschaftlichen Dingen
— praktischer Unglaube. Dieser ist deshalb nur dann dauernd und er—
folgreich zu bekämpfen, wenn in den wirtschaftlichen Fragen selbst das
religiös-sittliche Moment betont wird; das aber kann eine Gewerkschaft,
die interkonfessionell sein will und sich als solche nicht auf die positiv—
christlichen Grundsätze verpflichtet, nicht; sie verzichtet in dem Kampfe
gegen den Sozialismus auf die besten Waffen, die durch Betonung der
nationalen Gesinnung nicht ersetzt werden können.
In dem im Januar 1913 im Saarrevier veröffentlichten Flug—
blatt der Zwölferkommission der Christlichen werden die Arbeiter auf—
gefordert, „ihre religiösen Interessen zu wahren in konfessionellen
Arbeiter- und Knappenvereinen und zwar in „fortgeschrittenen“
Vereinen“. Sind etwa „fortgeschrittene“ Vereine solche, die nur die
rein religiösen Interessen der Arbeiter wahren, aber die Behandlung
wirtschaftlicher Fragen den christlichen Gewerkschaften überlassen? Der
Papst gibt als Zweck der von ihm geforderten Arbeitervereine (nicht
etwa Bruderschaften) außer der Förderung des religiösen Lebens
an: Deshalb werden die Leiter solcher Vereine mit
klarer Einsichtin die Zeitbedürfnisse ohne Zweifel
bereit sein, namentlich bezüglich der Pflichten der
BGerechtigkeit und Liebe, die Arbeiter in jenen Ge—
            
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