Full text : Memorandum zur Bergarbeiterstreikbewegung im Saarrevier 1912 - 13

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Verdächtigung und Bekämpfung derselben in der
ihr feindlichen Presse (eider auch in katholischen
Zeitungen), 2 die durch Schriften und Agitations—
redner im Volke genährte irrtümliche Auffassung,
die Religion habe mit den wirtschaftlichen Fragen
nichts zu tun, 3. die trügerischen Hoffnungen vieler
Unerfahrenen gquf die Erfolge des wirtschaftlichen
Klassen- und Machtkampfes (Streik), 4. das von
einer liberalen unkirchlichen Richtung in wirt—
schaftlichen Fragen eingeflößte Mißtrauen gegen
die Ratschläge der Kirche und ihrer Diener. Andere
Gründe mögen hier unerwähnt bleiben.
Unter den Hindernissen für die Ausbreitung und das Wirken
der katholischen Arbeiterorganisation in Deutschland überhaupt soll
eines hier besonders erwähnt sein, und zwar das größte, nämlich die
Haltung des Volksvereins (M.Gladbach) in dieser
Frage. Wie dieser der geistige Vater der von den christlichen Ge—
werkschaften befolgten Prinzipien ist, so war er auch durch seine ein—
seitige Stellungnahme für die christlichen Gewerkschaften in der
Arbeiterorganisationsfrage für uns in dieser Hinsicht der stärkste und
gefährlichste Gegner. Durch den Volksverein wurden nicht nur die
Arbeiter, sondern auch weitere Schichten des deutschen Volkes in dieser
Frage fortwährend irregeführt. Einen Beweis hierfür liefert z. B. die
Rede des Vorsitzenden des kath. Volksvereins Fabrikbesitzer Brandts in
der Generalversammlung des Volksvereins zu Mainz am 8. August 1911.
Nach dem offiziellen Festblatt der Katholikenversammlung Nr. 6 hat
Herr Brandts folgendes gesagt: „Andere, und zwar auf katholischer
Seite, lehnen die Stellungnahme des Volksvereins zu wirtschaftlichen
Organisationsfragen ab, weil er nach ihrer Auffassung die Katholiken
bei wirtschaftlichen Organisationen nicht von den Andersgläubigen
abschließt und sie dort nicht der unmittelbaren Leitung durch die kirch—
lichen Behörden unterstellt“. Das ist eine gänzlich irreführende Dar—
stellung des Standpunktes der katholischen Arbeiterorganisation, wie
sie im Berliner Verband (der ja doch nur oder wenigstens in erster
Linie gemeint war) besteht. Eine solche Darstellung der katholischen
vom Papste gewünschten Organisation ist geeignet, dieselbe beim deut—
schen Volke herabzusetzen, ja selbst gehässig zu machen. Die Vorteile
der katholischen Organisation bestehen doch wohl darin, daß in der—
selben „als Organisation“ die Grundsätze der katholischen Kirche in
bezug auf wirtschaftliche Fragen geltend gemacht werden können) und
1) Man sagt zwar, die einzelnen Katholiken sollen und können in den
Organisationen der christlichen Gewerkschaften nach 383 Grundfätzen
handeln. Es dürfte aber sehr bedenklich sein, einen wirtschaftlichen Verband
von so bedeutendem sittlichen Einflusse aufs ganze Erwerbsleben zu empfehlen
(nach der Enzhklika Singulari sind nur die katholischen Vereinigungen emp—
fohlen, die interkonfessionellen sind nur geduldet), der als solcher sich nicht
bekennt zu den katholischen Grundsätzen (vgl. Bergknappe-Artikel gegen den
Bischof von Trier), und worin der einzelne gehalten ise einem Mehrheits—
beschlusse sich zu unterwerfen. Soll wohl des Volkes Wille, der in einem
Mehrheitsbeschlusse zum Ausdruck kommt, oder die Fachkenntnis und Weisheit
der Führer interkonfessioneller Gewerkschaften, deren guter Wille auch vor—
ausgesetzt, einen zuverlässigen Ersatz bieten können für die sichere objektive
Norm des Sittengesetzes, die uns Kätholiken in Hinsicht auf so wichtige wirt—
schaftliche Fragen von der kirchlichen Autorität geboten wird?
            
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