— —
Wie überhaupt im Gewerkschaftsstreit, so brachte man auch
wieder in dem aus Anlaß der Arbeiterbewegung gegen die katholische
Organisation der Berliner geführten Kampfe mancherlei Einwen—
dungen vor, die zum alten Bestande der Christlichen gehören:
a) Schon gleich bei Beginn der Streikbewegung suchte man
die Bedeutungslosigkeit der Berliner durch Hin—
weis auf die geringe Zahl derselben hervorzu—
heben. (K. V. Nr. 1166.)1) Darauf sei zuerst erwidert, daß am
1j5. Dezember 1912 die dem kath. Arbeiterverbande Gitz
Berlümangehörigenaktiven BergarbeiteranZahl
mindestens ebenso stark waren als die Christlichen.
Wenn die wenigen Berliner in der Streikbewegung so geringen Ein—
fluß hatten, warum führte man einen so erbitterten Kampf gegen sie?
Warum haben die Christlichen nicht mehr Leute für ihre Gewerkschaft
gewonnen in der Streikbewegung? —
Sodann Allgemeines in dieser Sache. Wenn die Zahl der organi—
sierten Arbeiter für die Gesundung der sozialen Verhältnisse in Deutsch—
land ausschlaggebend wäre, so müßten die sozialdemokratischen
Organisationen vorgezogen werden. Wir sind der Ansicht, daß
die echten Grundsätze des wahren Christentums auf
die Dauer allein das Glückder Arbeiter auchin den
wirtschaftlichen Dingen begründen können. Diese
Grundsätze haben mit Sicherheit ohne Zweifel diejenigen am ehesten,
die offen der Kirche folgen, d. h. die katholischen Vereinigungen
(Enzykila Singularij). Auch bei einem Streik dürfte
übrigens die Zahl der Streikwilligen noch lange
nicht das ausschlaggebende Moment für die Er—
laubtheit und den guten Erfolg desselbensein.
Selbstverständlich muß es auch das Bestreben der katholischen
Arbeiterverbände sein, viele Mitglieder zu haben, um Einfluß zu ge—
winnen. Allein über dem Haschen nach hohen Mitgliederzahlen dürfen
sie zu einem Abweichen von den allein richtigen katholischen Grund—
sätzen sich niemals verleiten lassen. Der katholische Arbeiterverband
(Sitz Berlin) hat nichts unterlassen, um auch im Saarrevier stets an
Mitgliedern zu gewinnen; wenn das im Laufe der Jahre nicht so ge—
lungen ist, wie es den vielen Anstrengungen hätte entsprechen
müssen, so gibt es dafür allerlei Gründe. Zum i hat die katholische
Organisation mit ähnlichen ———— zu kämpfen, wie die Christ—
lichen, z. B. Interesselosigkeit vieler Arbeiter, Last der Beiträge, Orga—
nisationszwist Was speziell die katholische Organi—
fation im Saarrevier hemmt, ist J1. die fortgesetzte
1) Die Resultate der Knappschaftswahlen des Saarreviers werden stets
als Beweis gegen die Berliner ausgeschlachtet von folchen, welche die Sache
nicht kennen. Nach den statistischen Erhebungen der Bergwerksdirektion vom
1. Dezember 1910 waren von 62 745 Bergleuten 39 010 — 73,96 Prozent
latholisch, 13687 — 25,95 Prozent evangelisch und 48 — 6,09 Prozent anders⸗
gläubig. Die 13687 Protestanten —A— nicht für die Kandidaten des
katholischen Verbandes; der übergroße Teil der nichtorganisierten Katholiken
— infolge des durch die Agitation für den christlichen Gewerkverein unter
den Arbeitern des Saarreviers großgezogenen Radikalismus — auch nicht.
Diese Tatsachen erklären die Ergebnisse der Knappschaftswahlen zur Genüge.