Full text : Memorandum zur Bergarbeiterstreikbewegung im Saarrevier 1912 - 13

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Kirche haben, in der Praxis beobachtet werden. Auch hat hier der
Geistliche das Recht, wenn es nötig ist, ein Veto einzulegen. Man hat
eben hier der Kirche nicht den Stuhl vor die Türe gesetzt, weil man
sich nicht den Gefahren einer falschen materialistischen Wirtschafts—
bpolitik und des Sübjektivismus aussetzen wollte. Eine ganz ähnliche
Stellung hat der Geistliche als Beirat in den katholischen kaufmänni—
schen Vereinen.
Der Geistliche, welcher in seinem Amte seine Pflicht tut, muß in
allem auf Odium gefaßt sein. Eine Seelsorge, durchgeführt in allem
nach dem Opportunismus, wie der Einsender sie empfiehlt, wäre nicht
nach dem Geiste CThrifti. Im übrigen ist es mit dem Ddium insolge der
Stellung des Geistlichen in der katholischen Organisation nicht so
schlimm; wer diesem Odium entgehen will, wird auf die Dauer noch
unangenehmere Dinge erfahren. Für die Winke pastoraler
Klugheitsei bestensgedankt. Vgl. Röm. 8, 6. 7. und
Enzykl. Leos XIII. v. 10. 1. 1890 (Kap. von der Klugheit).
Gegen die falsche Exegese der Bibel in bezug auf die soziale Betäti—
jung der Geistlichen (Köln. Volksztg. Nr. 11, s. S. 60) müssen wir schon
deshalb protestieren, weil der Einsender sich in direkten Gegen—
satzsetzt zur Auffassung des maßgebendenExrxegeten
derkatholischenKirche, des Papstes. Die Spitze seines Artikels
richtet sich in Grunde gegen den Trierer Bischof und den Papst. Wenn
beide auch nicht wollen, daß die Geistlichen Aemter verwalten, welche
eine direkte Leitung bezw. Verwaltung rein irdischer Angelegenheiten
mit sich bringen, so wollen sie doch entschieden, daß in der
Arbeiterfrage, wo die sittlichen Grundsätze und der Zusammen—
hang mit der Kirche infolge einer besonders stark hervortretenden
materiellen, unchristlichen Weltrichtung so sehr gefährdet sind, die
Geistlichen aAll ihren moralischen Einfluß zum Besten
der Arbeiter geltend machen. Denn gerade die sozialen
wirtschaftlichen Fragen sind es, die der Sozialismus benutzt, um das
Gift des Unglaubens und Materialismus in die Arbeiter hineinzu—
bringen, zu deren Schaden und zum Schaden der menschlichen Gesell⸗
schaft überhaupt. Heilung und Rettung bietet hier nur das wahre posi—
tive Christentum. Die vom Einsender herangezogenen Beispiele aus der
Hl. Schrift besagen gerade das Gegenteil von dem, was er damit be—
weisen will. Der Umstand, daß der Heiland nicht Erbverteiler sein will
(Luk. 12, 13 und 14), beweist gar nichts gegen die soziale Tätigkeit der
Geistlichen nach dem Berliner System; dagegen war die damals für
solche Rechtsfragen im Judenland bestehende richterliche Behörde eine
geistliche. Ebenso haben die Apostel (Apostelgeschichte 6, 2) zur Ver—
leilung des Almosens — offizielle Ausübung der christlichen Caritas
— nicht Laien bestimmt, sondern die Diakonen, die kirchliche Weihe
und Sendung erhielten. Man muß es sich verbitten, um
einen Ausdruck der Kölhnischen Volkszeitung in
Nr. 24 zu gebrauchen, daß eine Zeitunß, welche die
Interessen der Katholiken wahren will,durch Irre—
führung der A — Meinung auch noch auf
Grund falscher Exegeseder Hl. Schrift es den Geist—
lichen erschwert, die Weisungen des Bischofs und
des Papstes auszuführen.
            
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