Full text : Memorandum zur Bergarbeiterstreikbewegung im Saarrevier 1912 - 13

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Die katholische Organisation durfte in ihrer jungen Arbeit gar
bald die Wahrheit des in der Arbeiter-Enzyklika Leos XIII. enthaltenen
Papstwortes erfahren:
„Es wiederholen sich die gleichen Erscheinungen bei allem Wechsel der
Zeiten und der Völker oft mit wunderbarer Aehnlichkeit, weil der Weltlauf
der Vorsehung Gottes untergeordnet ist, welche nach dem ewigen Plane alle
Dinge ihrem höchsten Zwecke anbequemt und dienstbar macht. — Bekannt
ist, daß dem Christentum in den ersten Jahrhunderten der Vorwurf ent—⸗
egengehalten wurde, seine Anhänger seien meist nur arme Leute, die von
eeeet lebten. Indessen diese Armen, diese Verachteten, errangen
allmählich die Gunst der Reichen und Mächtigen. Sie
boten der Welt ein Schauspiel der Arbeitsamkeit, der
Friedfertigkeit, aller Rechtschaffenheit und zumal der
brüderlichen Liebe. Gegenüber diesem beredten Zeugnis ihres Wan—
dels schwanden die Vorurteile, verstummten die gehässigen Anklagen, und
der heidnische Unglaube mußte sich vor dem strahlenden
*8 der s christlichen Wahrheit nach und nach zurücdc—
ziehen.
In der Gegenwart ist die Arbeiterfrage Gegenstand vielfachen Streites.
Daß dieser Streit eine friedliche und gesetzmäßzige Lösung finde, liegt im
höchsten Interesse des Staates. Die Frage wird aber durch die christlich ge—
sinnten Arbeiter einer richtigen Lösung näher geführt werden, wenn diese in
gut organisierten Vereinen und unter weiser Führung denselben Weg
einschlagen, welchen die Christen im Altertume der übermächtigen heidnischen
Welt gegenüber zu ihrem eigenen Heil und dem der Gesellschaft eingehalten
haben. Denn so stark auch die Macht des Vorurteils und der Leidenschaft
ist, so wird dennoch überall, wo nicht ein verderbter Wille das Gefühl für
Recht und Arbeit abgestumpft hat, die öffentliche Gunst sich
Männern zuwenden, welche Fleiß, Mäßigkeit und Zucht auf ihre
Fahne geschrieben haben; man wird für Arbeiter Partei ergreifen, welchen
Billigkeit und Recht über den Gewinn, und ernste Pflichttreue über alle an—
deren Rücksichten geht.“
Dagegen hat es sich gezeigt, daß die Anwendung der
wirtschaftlichen Macht auf der einen Seite eine stets laiteet
Gewalt auf der anderen Seite herausforderte. Heute liegen die Dinge
so, daß unter Umständen schon der Ausstand einer kleinen Gruppe
durch die Aussperrung von Hunderttausenden von Arbeitern desselben
peige beantwortet wird. Die Arbeiter-Organisationen müssen
befürchten, daß bei einem etwaigen Arbeitskonflikt ihre gesamten Mit—
glieder von der Aussperrung betroffen werden. Die Waffe des wirt—
schaftlichen Machtkampfes ist infolge der gewaltigen Arbeitgeber—
Organisationen für die Arbeiter immer stumpfer geworden; die Aus—
sichten auf Erfolge gegenüber dem wirtschaftlich konzentrierten, kon—
kurrenzlosen Großkapital sind geradezu gleich Null. Und dabei zieht
die von Jahr zu Jahr sich steigernde Ausdehnung der wirtschaftlichen
fdämpfe das Staatsleben in stets furchtbarere Mitleidenschaft.
d) Zu dem Einwand (Köln. Volksztg. Nr. 11, s. S. 1539), „der Geist—
liche solle sich um wirtschaftliche Dinge nicht kümmern“, bemerken wir:
Auch bei den Berlinern ist der Geistliche nicht
Arbeitersekretär. Die katholischen gewerkschaft—
lichen Organisationen stehen nicht unter der di—
retkten Leitung und Verwaltung der Geistlichen.
Der Geistliche hat aber bei den Berlinern auch bezüglich der ge—
werkschaftlichen Vereinigungen statutengemäß das Recht, zu verlangen,
daß die sittlichen Grundsätze, wie wir sie sicher allein in der katholischen
            
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