Full text : Memorandum zur Bergarbeiterstreikbewegung im Saarrevier 1912 - 13

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demschristlichen Gewerkbverein nochmals zu mir hier nach Berlin,
um sich bei mir über meine Absichten zu erkundigen. Ich habe wieder in
der ausführlichsten Weise Darlegungen über die Bedeutung der Arbeits⸗
ordnung gegeben und über die Absicht, weitere Lohnsteigerungen eintreten zu
lassen. Inzwischen war von dem Vorsitzenden der Bergwerksdirektion in
Saarbrücken erklärt worden, daß er im Januar die Bedingung der Andauer
der günstigen Konjunktur als gegeben betrachte, also in Aussicht stellen könne,
daß im Januar mit weiteren Lohnsteigerungen werde vorgegangen werden.
Das haben die Herren zur Kenntnis genommen; ich meinerseits habe
aber ⸗»nach wie vor abgelehnt, irgend etwas zu tkon—
zedieren, was nicht bereits vor Beginn der Streik—
bewegung in Aussicht gestellt war.
Dann hat am 28. Dezember die Revierkonferenz des
christlichen Gewerkpereins stattgefunden, und es ist den Herren,
die den Streik in Gang gebracht hatten, mit einigem Bemühen gelungen, wieder
abzublasen; mit einigem Bemühen, — wenigstens ist es ihnen nach dem, was
in den Zeitungen gestanden hat, nicht ganz leicht gelungen. Ich will das
Verdienst der Herren hieran gar nicht gering anschlagen, wenn ich auch
etwas kritisieren muß, nämlich daß sie sich ihren Leuten
gegenüber so hingestellt haben — sie mußten es vielleicht —,
als hätten sie wunder was erreicht. (Abg. Imbusch: Das haben
wir auch!) — Gewiß, es freut mich, daß Sie mit dem zufrieden sind, was Sie
erreicht haben. (Abg. Tr. Liebknecht zum Abg. Imbusch: Das haben Sie
verdient! — Heiterkeit Sie haben gendu das erreicht, was
Ihnen die Bergverwaltung vor dem 15. Dezember kon—
zediert hat, und das hätten Sie billiger haben können.
Das heißt nein — eins haben Sie darüber erreicht: der Migliederbetand
Ihrer Gewerkschaft hat sich um etwa 8000 bis 9000 erhöht, und viele Leute
behaupten: das wmäre eigentlich der Zweck der Uebung gewesen. (Abg. Imbusch:
Was nicht bewiesen werden kann!) — Ich sage nur, daß viele Leute das be—
haupten; ich habe das nicht für meine Meinung erklärt. Die Bergwerks—
direktion hatte mir allerdings schon vor Mitte Dezember gesagt, ihrer Auf—
fassung nach würde es nicht zum Streik kommen. Ich habe mich nicht auf
diesen Standpunkt gestellt, ich habe mit der Möglichkeit rechnen müssen, daß,
wenn bei den Führern vielleicht die Absicht, es nicht zum Streil kommen zu
lassen, bestände, ihnen nachher die Leute aus der Hand gingen, und es ihnen
nachher nicht gelänge, den Streik abzuhalten, selbst wenn sie es gewollt
hätten. (Hört, hört! bei den Sozialdemokraten) Daß der Mitgliederstand
während der Bewegung so erhöht ist, ist leicht zu verstehen. Der Gewerk—
verein hatte allen, die ihm beitraten, vom 1. Januar ab in Aussicht gestellt,
wenn es zum Streik käme, wöchentlich mindestens 10 Mark Sueluniersusone
zu zahlen, und dafür hatten die Leute zweimal 50 Pfg. Beitrag zu zahlen.
Das ist vom Standpunkte der Versicherungstechnik aus ein sehr gutes Geschäft
(Heiterkeit); es beweist aber auch, daß jedenfalls nicht mehr als die 16000
Mann, die davon Gebrauch gemacht haben, gegebenenfalls in den Streik
getreten wären, daß also die anderen 36000 Mann, auch wenn
der Streik begonnen hätte, bei der Arbeit geblieben
wären.

Zum 1. Januar schien nun alles in Ordnung zu sein. Dann kam
noch eine kleine Differenz, die in letzter Linie auf einem Miß—
verständnis einiger Ausschußmitglieder darüber, ob sie ihre Kündigung förm—
lich zurückzuziehen hätten oder nicht beruhte, einem Mißverständnis, an dem
jedenfalls die Bergverwaltung nicht schuld war. (Abg. Imbusch: Gerade die
war schuld!) — Nein sie war nicht schuld. Sie hat es ihnen direkt gesagt.
(Abg. Imbusch: Die Inspelktionen waren schuld)) — Die Sache war so. Die
Bergwerksdirektion hat verlangt, daß diejenigen Ausschußmänner, die per—
sönlich für sich zum 3. Januar gekündigt hätten, die Kündigung zurücknehmen.
Das war formell korrekt. Herr Giesberts hatte seinen Leuten nun gesagt,
das würde von der Bergwertfsdirektion nicht verlangt, sie würden ohne förm—
            
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