wir zugesagt hatten, sowohl in positivem wie in negativem Sinne — das,
was in Aussicht gestellt wurde, würde gehalten,
mehr aber nicht bewiluugt werden — daß es zweitens unsere
Aufgabe war, den Versuch zu machen, die Saarbergleute über die, ich kann
tur sagen, Torheit eines etwaigen Streiks aufzuklären, also eine Auf⸗
klärungsaktion un»x den Saarbergleuten in Gang zu
setzen.
Zu diesem Zwecke wurden eingehende Erläuterungen über die Aende—
rungen der Arbeitsordnung ausgearbeitet, die zu einem späteren Zeitpunkte,
zwischen Weihnachten und Neujahr, veröffentlicht worden sind. Es wurde
jerner darauf hingewiesen — und das kam natürlich der Aufklärungsarbeit
zugute —, daß im November die Löhne weiter gestiegen wären, und zwar
ehe irgend eine Ausstandsbewegung in Gang gekommen war, daß also die
Bergarbeiter alle Veranlassung hätten, der ernstlichen Absicht der Regierung,
ihnen die Löhne weiter zu erhöhen, zu trauen. Die Aufklärungsbewegung
war nicht gerade leicht; denn von der anderen Seite wurde in einer etwas
scharfen Weise, etwa in der Weise, wie der alte Verband seinerzeit an der
Ruhr agitiert hatte (Abg. Dr. Liebknecht: Hört, hört!), vorgegangen. Der
Beneralsekretär Effert hat bei einer Bergarbeiterversammlung in Bildstock
— ich glaube, es war am 17. Dezember — den Abg. Koßmann angegriffen,
weil dieser gesagt hätte, der Minister — also ich — habe es ehrlich mit seinen
Worten gemeint. Als Abgeordneter, sagte Effert, würde ich mich schämen,
mit einer derartigen Redensart vor eine Konferenz hinzutreten. (Hört, hört!)
Ich glaube, diese Wendung würde auch einem der Rotesten der Roten Ehre
machen. (Abg. Hammer: Sehr richtig!) Auf der anderen Seite kam der
Aufklärungsarbeit die Tätigkeit zustatten, die die beiden Abgeordneten der
Reichssstagswahlkreise, in denen der fiskalische Saarbergbau umgeht, der Reichs—
tagsabgeordnete von Saarbrücken und der Reichstagsabgeordnete von Ott—
weiler-St.⸗“Wendel, obwohl sie politisch en verschiedenen Richtungen an—
zehörten, entfalteten. Der erstere, Abg. Bassermann, hatte sich spontan
an die Bergwerksdirektion gewendet und sich bei ihr über die Absichten bei
der Abänderung der Arbeitsordnung und die Lohnerhöhungen erkundigt.
FEr hatte dieselben Erklärungen, wie ich sie immer ab—
gegeben hatte, erhalten und auf seine Gefolgschaft
dahin gewirkt, daß sie doch nicht so töͤricht sein sollten,
zu streiken, da alles das,was fie schließlich im Streiker—
re ichen würden, ohne Streikgewährt werden sollte. Und
der Abg. Koßmann hatte mit dem katholischen Arbeiterverein GBerliner
Richtung) gearbeitet und war dort in demselben Sinne tätig gewesen.
Es war wohl klar, daß der Streik schon deshalb, weil das Terrain für
ihn von zwei Seiten untergraben war, keine Aussicht auf Erfolg
haben konnte, ganz abgesehen davon, daß ja, was ich auch gegenüber den
Herren, die bei mir waren, immer betont habe, doch schließlich der Fiskus
in solchen Fällen den längeren Atem hat und, wenn er das Bewußtsein hat,
auf dem Boden der Gerechtigkeit zu stehen, nicht gezwungen werden kann,
weiter nachzugeben. Ich habe überhaupt meine Bemühungen, den Streik
zu vermeiden, durchaus nicht aus Furcht vor dem Streik, aus Besorgnis,
der Streik könnte für die Bergverwaltung verloren gehen, aufgewendet. Wenn
ich nur die Machtposition der Bergverwaltung im Auge gehabt hätte, dann
hätte ich darauf hinarbeiten müssen, daß der Streik zustande kam; denn das
väre eine Kur gewesen, die die Arbeiter für einige Zeit von der Streiklust
geheilt hätte. Aber das hätte ich nicht mit meiner Pflicht und auch nicht
mit der menschlichen Teilnahme vereinbaren können, die ich den Bergleuten
entgegenbringe. Es lag mir wirklich daran, es war mir Herzenssache, dafür
zu sorgen, daß die Leute nicht selbst in ihr Unglück hineinrannten, und in
dem Sinne habe ich von vornherein die Sache behandelt, und in dem Sinne
habe ich auch die drei Abgeordneten, die am 12. Dezember bei mir waren,
über meine Haltung unterrichtet und vor Unbesonnenheiten gewarnt.
Dann kamen am 21. Dezember die Leiter der Bewegungaus