Full text : Memorandum zur Bergarbeiterstreikbewegung im Saarrevier 1912 - 13

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christlichen Gewerkverein angehörten, zu dem Vorsitzenden der Bergwerksdirektion.
 Dieser hat dann am 5. Dezember in ausfuührlicher Darlegung den
Bergleuten die wahre Bedeutung der neuen Bestimmungen
der Arbeitsordnung auseinandergesetzt, hat auch seine
Ausführungen druchen und an der Saar verbreiten
hassen; er hat ferner die Erklärung abgegeben, daß die
Lohnerhöhungen weiter allmählich fortgesetzt werden
solten, sofern die Konjunktur auf der Höhebliebe und
keine außergewöhnlichen Störungen politischer oder
wirtschaftlicher Art in den Wegträten., Diese Erklärung
genügte den drei Bergleuten und ihren Hintermännern nicht, und sie ließen
ich bei mir zu einer Besprechung anmelden. Ich bat sie zum 12. Dezember,
und an diesem Tage hat auch die Besprechung stattgefunden.
Bereits am Tage vorher war der Reichstagsabgeordnete des Wahlkreises
Ottweiler-St. Wendel, Abgeordneter Koßmann, der ein Vertreter
der katholischen Arbeitervereine Gerliner Richtung) ist, mit einem anderen
Reichsstägsabgeordneten und mit dem Herrn Abgeordneten Glattfelter aus
diesem Hause bei mir gewesen und hatte sich bei mir über die Tragweite der
neuen Bestimmungen und über die Absichten, die die Bergverwaltung in
bezug auf die Löhne an der Saar habe, erkundigt. Ich habe den Herren
genau in demselben Sinne, wie es der Vorsitzende der Bergwerksdirektion in
Saarbrücken getan hatte, auseinandergefetzt, wie diese neuen Bestim-—
mungen der Arbeitsordnung' von der Verwaltung verstanden
vürden, daß sie nichts anderes seien als im wesentlichen eine
Rodifizierung der geltenden Praxis, und habe in bezug
auf die Löhne dasselbe gesagt, was der Vorsitzende der
Bergwerksbdirekttion in Aussicht gestellt hatte. Es kam
damals schon, am Tage bevor die drei Saarbergleute
der christlichen Gewerkschaften bei mir waren, die
Sprache daräuf, ob es nicht zwedmäßig wäre, die Auslegung,
 wie ich sie den bei mir anwesenden drei Ab—
geordneten von der Richtung der katholischen Ar—
beitervereine gegeben hatte, noch einmal gedruckt
zu formulieren Und an der Saar zu verbreiten. Ich
weiß nicht ganz sicher, ob die Anregung, wie ich glaube, von mir ausgegangen
ist, 8 von den Herren, die mich besüchten. Ich habe zugesagt, das
zu tun.
Am anderen Tage nun kamen die drei Bergleute von der
Saar zu mir. Ich habe mit ihnen in einer ziemlich ausführlichen 3Nstündigen
Unterhaltung Punkt für Punkt alles durchgesprochen, was die Arbeitsordnung
an Aenderungen enthielt, habe ihnen auch in bezug auf die
Lohnfrage dieselbe Erklärung abgegeben, wie tags
vorher den Herren von den katholischen Arbeiter—
vereinen, und habe die eforderte Zurückziehung
der Aenderungen und — weiteres Entgegen—
kommen abgelehnt; ich habe mich auch ihnen gegenüber
bereit erklärt, diese Darlegungen über die Be—
deutung der geänderten Arbeitsordnung in apdheege
tischer Form an der Saar publizieren zu lassen.
Das genügte den drei Bergleuten nicht. Sie kehrten
unbefriedigt nn und nun setzte die Agitation in großem Stile ein, und
zwar nahm die Leitung jetzt — der Herr Abg. Imbusch wird mir das be—
stätigen — der Vorstand des christlichen Gewerkvereins in Essen in die Hand.
Es kamen Agitatoren von Essen ins Saarrevier, insbesondere be—
tätigte sich der Generalsekretär Effert stark dabei, und es wurde dann am
18. Dezember in verschiedenen Versammlungen der Bergarbeiter des christ—
lichen Gewerkvereins beschlossen, zum 2. Januar zu kündigen.
Gegenüber dieser Bewegung stand es nun für die Bergwerksdirektion
und für mich fest, daß wir erstens absolut an dem festhalten mußten, was
            
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