englischen Streiks, durch die Folgen des Ruhrstreils die Möglichkeit gegeben,
groͤßere Vorräte abzustoßen, einen flotteren Absatz einzuleiten und dadurch
vorteilhafter zu arbeiten.
Wenn man sich nun fragt: wie kam es, daß bei der im Sinne der
Bergarbeiter zunehmenden Besserung, bei dem evident betätigten Entgegen—
kommen der staatlichen Verwaltung an der Saar gerade éeb ein Streik ein—
setzte? so muß man auf die Verhältnisse des Gewerkvereins
christhicher Bergarbeiter Rücksicht nehmen. Dieser Gewerkverein
hatte in seinem Mitgliedstande erhebliche Einbuße erlitten, teils infolge des
Verhaltens der christlichen Gewerkvereinler beim Ruhrstreik, teils auch wegen
verschiedener Unstimmigkeiten, die sich bei den Reichstagswahlen an der Saar
zwischen den beiden Seiten, der katholischen und der evangelischen, dieses Ge—
werkvereins herausgestellt hatten; er war an der Saar nach den Zahlen, die
ich bekommen habe, von früher 18 000 Mitglieder auf 6000 bis 7000 Mit—
glieder heruntergegangen; nach den Zahlen, die die Herren vom Gewerk—
derein selbst veröffentlichten, war sein Bestand etwas höher. Die Notwendig—
keit, die Arbeitsordnung abzuändern, und der Umstand, daß sie neben
der Verkürzung der Schlepperzeit noch einige andere, wie ich schon sagte, den
bisherigen Zustand mit dem Wortlaut der Arbeitsordnung in Ueberein—
stimmung bringende Bestimmungen brachte, wurde zum Ausgang für eine
größere Agitation benutzt. Daß das die Absicht war, ergab sich bald an
solgenden Symptomen. Als in der ersten Novemberhälfte des vorigen Jahres
die abzuändernden Bestimmungen der Arbeitsordnung den Arbeiteraus—
schüssen, wie es das Gesetz verlangt, vorgelegt wurden, erklärten die meisten
Arbeiterausschüsse, von denen einer 6 Tage, die anderen 4 Tage vor der
Sitzung die Vorschläge bekommen hatten, daß sie es ablehnen müßten, über
diese ———— zu verhandeln, und sie verlangten Vertagung. Das
waren gerade die Ausschüsse, in denen Angehörige der christlichen Gewerk—
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deren Wünschen wurde auch Rechnung getragen.
Nun wäre es ja wohl zu verstehen gewesen, wenn die Herren gesagt
hätten: wir wollen erst Aufklärung haben und uns die Sache nachher noch—
mal überlegen; aber sie lehnten jedes Eingehen und jede
Aufklärüng ab und handeltenoffenbar, wie übrigens auch nicht
bestrittn wird, nach Instruktionen einer einheitlichen
Leitung, der daran lag, bei der Gelegenheit noch andere Fragen anzu—
schneiden. Darauf wollte die Bergverwaltung nicht eingehen. Sie hatte es
ohnehin mit der Veröffentlichung dieser Nachtragsbestimmungen zur Arbeits—
ordnung dringlich, weil die Bestimmungen über die Verkürzung der Schlepper—
zeit mit rückwirkender Kraft für den 1. Oktober in Wirksamkeit gesetzt werden
follten. Da eine 14tägige Frist zwischen der Bekanntmachung der Arbeits—
ordnung und ihrer Inkraftsetzung vorgeschrieben ist, mußte diese Bekannt—
machung spätestens Mitte November ersolgen, wenn die abgeänderte Be—
stimmung mit dem nächsten Monat Geltung erlangen sollte. Die Berg—
werksdirektion trug also den Wünschen der ———— die sich ge⸗
äußert hatten, Rechnung, soweit sie es für tunlich hielt, lehnte die Vertagung
der Beratung ab und veröffentlichte umgehend die Abänderungsbestimmungen
zur Arbeitsordnung, die dann auch am 1. Dezember in Kraft getreten sind.
Nun bemächtigte sich die „Saarpost“ der Sache. Das ist eine
Zeitung, die nicht als offizielles Organ der christlichen Gewerkschaftsorgani—
sation betrachtet werden kann, die aber in ihrem Sinne arbeitet, und deren
Agitationsergebnisse sich jedenfalls auch im vorliegenden Falle die christliche
Bergarbeitervereinigung an der Saar zunutze gemacht hat. Sie gab den
Aenderungen der Arbeitsordnung eine Auslegung,
die weit von dem Sinne abwich, der JIhnenbekannt, und
den sie meiner Meinung nach für jeden unbefangenen
Leser haben müssen. Sie wirkte dadurch in den Kreisen der Saarberg—
leute erheblich aufreizend gegen die Neuerungen der Arbeitsordnung. Nun
kam eine Abordnung von drei Arbeiterausschußmitgliedern, die sämtlich dem