Full text : Memorandum zur Bergarbeiterstreikbewegung im Saarrevier 1912 - 13

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diese Organisation in feindseliger Weise zu befehden, vielmehr mit aller
Macht sie gefördert wissen will.
sameraden! Liebe Verbandsgenossen! Jahre lang haben wir für
unsere katholische Arbeiterorganisation gekämpft und Opfer gebracht. Soll
das alles umsonst gewesen sein? Diejenigen Gewerkschaftsfuͤhrer, die uns
bisher in der schlimmsten Weise bekämpften, verlangen jetzt von uns, daß
wir uns vor den verfahrenen Karren des Gewerkvereins sollen spannen
lassen, um diesen aus dem Sumpf herauszuziehen. Nie und nimmer darf
das geschehen.
Vielleicht könnten wir dabei die Erfahrung machen, daß wir anderen
die Kastanien aus dem Feuer holten, die sich im Hintergründe
hielten. Haben wir doch bereits gesehen, wie famos die Kündigungsbeschlüsse
der angeblich so großen Belegschaftsversammlungen befolgt worden sind.
Nur auf vier Inspektionen haben christliche Ausschußmänner den Mut
gefunden, den Massenkündigungsauftrag zu erfüllen. Aber für sich selbst
wagten sie nicht die Kündigung eiden und antworteten mit Nein“,
als die Verwaltung sie frug, ob die vorgebrachte Kündigung auch für ihre
Person gelten sollte. Es steht heute fest, daß insgesamt nur 10 Mann den
Mut hatten, zu kündigen; eine Zahl, die bei weitem nicht an die jener
Arbeiter heranreicht, die als Hilfsagitatoren in den Belegschaftsversamm—
lungen für den Streik agitierten.
Kameraden, wir wollen uns auch nicht beirren lassen durch die saischen
Gerüchte in der Presse, daß zahlreiche Mitglieder von uns ins Lager ber
Gegner übergegangen seien. Dies ist lediglich ein Geflunker unserer
Begner. Wenn diese aber glauben, die kätholische Arbeiterorganisation
könnte dadurch in ihrer Stellungnahme beeinflußt werden, dann irren sie.
Selbst auf die Gefahr hin, daß einer oder der andere uns uͤntreu wird, was
wir allerdings bedauern müßten, werden wir keinen anderen Weg gehen,
als denjenigen, den uns Pflicht und Gewissen vorschreiben, im vollen
Bewußtsein unserer großen Verantwortung, die wir für das Wohl der
Arbeiter und gegenüber dem I einwe haben. Wir werden dabei stets
eingedenk sein der Worte des Hl. Vaters Pius X. in seiner neuesten Enzyklika:
„Alle, die sich als Einzelpersonen oder in Vereinigungen des
christlichen Namens rühmen, dürfen, wofern sie ihrer Pflicht eingedenk
sein wollen, keine Feindschaften und Zwistigkeiten unter den Ständen
der bürgerlichen Gesellschaft schüren, sondern müssen untereinander
Frieden und wechselseitige Liebe befördern.“
Und nun, Kameraden, was haben wir zu tun in der Zukunft?
Wir werden nach wie vor treu stehen zu unserer katholischen Arbeiter—
organisation und für deren weitere Ausbreitung unablässig bestrebt sein.
Wir werden in ihr, gemäß unseren Grundsätzen, arbeiten an der Verbesserung
unseres Arbeitsverhäͤltnisses. Wir werden unermüdlich das notwendige Tat—
sachenmaterial sammeln, zur einwandfreien Begründung unserer Forde—
rungen. Wir werden sorgfältig darauf achten, daß die den Bergarbeitern
gemachten Zusagen erfüllt werden, und gegebenenfalls bei den maßgebenden
Instanzen deren Erfüllung durhnsegen suchen. Wir bleiben nach wie vor
einig als katholisch organisierte Arbeiter, in dem Bewußtsein, daß die
gesamte Arbeiterschaft des Saarreviers es noch recht bald einsehen wird,
daß unsere gegenwärtige Stellungnahme die richtige und allein Erfolg ver—
Pprechende ist.“

In beiden eingangs erwähnten Versammlungen wurde ein—
stimmig eine Resolution angenommen, in welcher der katholischen Ar—
beiterorganisation volle Anerkennung für ihre Stellungnahme in der
gegenwärtigen Bergarbeiterbewegung ausgesprochen, der Streik
abgelehnt und gegen die Anmaßung der Massenkündigung protestiert
58— da etwa 80 Prozent der Belegschaft keine Erlaubnis dazu er—
teilt hätten.
            
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