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innerung bringt, durfte man waährhaftig nicht erwarten, daß er einen Ab—
geordneten beschimpft, weil dieser die den Arbeitern gegebene Zusagen eines
preußischen Ministers als ehrlich gemeint bezeichnete. Ich wuͤrde es nicht
für möglich halten, daß Herr Effert diese Aeußerungen getan hat, wenn es
nicht von zuverlässiger Seite, nämlich der „Saarpost“, die Herrn Effert sehr
nahe steht, berichtet worden wäre. Nach der Saarpost Nr. 293 hat
Herr Effert diese Angriffe gegen mich in einer zahlreich besuchten Berg—
arbeiterversammlung zu Bildstock gerichtet. Er hat mir da auch „gute“ Rat—
schläge gegeben, wie ich mich hätte beim Minister verhalten sollen. Herr
Effert sagt, ich hätte dem Minister sagen sollen, daß es nicht wahr sei, daß
der Gewerkverein christlicher Bergarbeiter eine Lohnerhöhung von 50 bis
60 Pfg., sondern eine Aufbesserung der zu niedrigen Loöhne verlangt habe.
Kameraden! Hört ihr, was Herr Effert gesagt hat. Nicht eine Erhöhung
der Löhne von 50 bis 60 Pfg. pro Schicht verlangt er für die Bergarbeiter;
da dürfen wir wohl fragen, wieviel er denn überhaupt verlangt. Bislang
wurden die Lohnforderungen auch seitens der christlichen Agitätoren durch
einen Hinweis auf die mehr als um eine Mark höheren Löhne der Ruhr—
bergarbeiter begründet, und von mir verlangt Herr Effert, ich hätte dem
Minister erklären sollen, die Bergarbeiter verlangten weniger als 50 oder
60 Pfg. Erhöhung. Herr Effert und sein Gewerkverein verlangen also nach
dem „Saarpost“-Bericht wohl eine weit geringere und allmähliche Steigerung
der Löhne. Diese Forderung aber dürfte sich mit dem decken, was der
Minister in Aussicht gestellt hat.
Damit aber würde die Streikagitation des Herrn Effert und seiner
Gehilfen auch den letzten Anschein der Berechtigung verlieren. Kameraden!
Diese Ausführungen Johann Efferts lehren uns: Die Lohnfrage ist
bei Herrn Effert nicht der Grund der Streikagitation.
Diese muß also anderwärts zu suchen sein. Wenn wir die Aeußerungen
Efferts und all die übrigen Erscheinungen der Streikpropaganda in Betracht
ziehen, so gehen wir gewiß nicht fehl, wenn wir uns die Ansicht zu eigen
machen, die gemäß dem halboffiziösen „Berliner —9
anzeiger“ im Handelsministerium besteht. Einem Vertreter
dieser Zeitung wurde folgendes erklärt:
„Das Ganze laufe auch nur zuhee Machtfrage hin—
aus. Wie voreinigen Monaten im Ruhrrevier die ßedbt
demokratischen Verbände den Streik inszenierten, um
einen Trumpf gegenüber denchristlichen Gewerkschaften
auszuspielen, so wollen jetzt an der Saar diechristlichen
BGBewerkschaften gegenüber den anderen Vereinigungen
sich bemerkbar machen und als besondere Vorkämpfer
der Arbeiterinteressen sich empfehlen. Sie glaubten
sich zu irgendeiner Aktion verpflichtet, da ihre Reihen
schönmseitseiniger Zeit sich lichteten.“
Der beabsichtigte Streik richtet sich in erster Linie
gegen die katholische Arbeiterorganisation. Das läßt auch
ein Bericht in Nr. 1102 der „Köln. Volksztg.“ vom 16. Dezember 1912
erkennen, wonach die Christlichen die „die Einigkeit störenden Berliner kalt
stellen“ wollen. Der katholischen Arbeiterorganisation gilt also der Kampf,
und in diesem Kampfe ist Herrn Effert und seinen Gehilfen jedes Mittel
recht, deshalb nennt er es einen Unsinn verzapfen, wenn ich auf der Mal—
statter Konferenz gesagt haben soll, der Fiskus werde, wenn ein Streik ver—
loren gehe, 10 000 Mann ablegen. Kameraden! Ich habe diese Worte
nicht gesprochen, ich habe vielmehr darauf hingewiesen, daß die Berg—
verwaltung es ruhig zugesehen hat, daß dieses Jahr etwa 4000 Bergleute in
andere Reviere abwanderten und habe dann gefragt: „wer gibt uns Garantie,
daß die Verwaltung nicht einen Streik als Anlaß benutzen wird, um weitere
Tausende von Arbeitern los zu werden?“ Diese meine Befürchtung ist be—
rechtigt, wenn wir bedenken, daß beim letzten Streik 2000 Mann abgelegt
wurden, von denen heute noch etwa der vierte Teil nicht wieder angelegt ist.
Daß die Bergverwaltung ganz leicht in der Lage ist, tausende von Arbeitern