Full text : Memorandum zur Bergarbeiterstreikbewegung im Saarrevier 1912 - 13

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Ueberschüsse der Saargruben eine bessere Bezahlung der Bergarbeiter dem
Bergfiskus gestatten. Gerade der Fiskus sollte in dieser Hinsicht vorbildlich sein.
Es soll indes nicht verschwiegen werden, daß die Löhne seit dem Jahre 1910,
nachdem die vorangegangene schlechte Konjunktur überwunden war, eine
Steigerung erfahren haben, aber eine sehr langsame — 34 Pfg. im Durch—
schniit pro Schicht im Laufe von zwei Jahren. Trotzdem aber sind die Löhne
für einen großen Teil der Saarbergleute, namentlich in Anbetracht der
teueren Lebensverhältnisse, durchaus ungenügend. Das haben wir auch in
der Audienz, die ich mit den Abgeordneten Dr. Glattfelter und Dr. Werr
am 11. Dezember beim Handelsmmister Sydow hatte, vertreten. Wer mir
und den beiden anderen Abgeordneten, wie das geschehen ist, etwas anderes
nachsagt, verleumdet uns.
Unsere katholische Arbeiterorganisation ist also für eine Verbesserung
der Löhne eingetreten und wird das auch in der Zukunft tun. Wir haben
berechtigten Grund zu der Annahme, daß in der Zukunft die diesbezüglichen
Forderungen der Arbeiter Berücksichtigung finden werden. Der Minister
—
erklärte, die Löhne der Saarbergleute würden, falls der Entwicklung des
Saarbergbaues nichts hindernd in den Weg trete, weiter erhöht werden.
Eine ebensolche Erklärung ist auch den Delegierten des christlichen Gewerk—
vereins vom Minister gegeben worden. Die Saarbergleute wissen also, daß
an maßgebender Stelle der Wille vorhanden ist, einer Anwendung der neuen
Arbeitsordnung zuungunsten der Arbeiter vorzubeugen und die Löhne zu
erhöhen. Kameraden, das ist der gegenwärtige Stand der Dinge.
Sollen wir nun sstreiken, oder zunächst zusehen, ob die Re—
gierung das den Arbeitern gegebene Versprechen in die Tat umsetzt? Unsere
katholische Arbeiterorganisation hat sich angesichts dieser Erklärung des
Handelsministers durch den Bezirksdelegiertentag der katholischen Arbeiter—
bereine des Saarreviers ganz energisch gegen den Streik ausgesprochen. Es
hieße in der Tat die Saarbergleute übel beraten, wenn man jetzt zum
Streik raten und die Kampfluüst radikaler Elemente unterstützen wollte.
Diese Stellungnahme unserer Organisation entspricht durchaus den Inter—
essen der Bergleute und wird von allen, die sich nicht durch Vorurteile gegen
unsern Verband leiten lassen, gebilligt. Trotzdem aber ist hier der Versuch
gemacht worden, die katholische Arbeilerorganisation in Mißkredit zu bringen,
man hat ihr und ihren Führern sogar den Vorwurf des Arbeiterverrats
gemacht. Ganz besonders hat man mich in meiner Eigenschaft als Reichs—
lagsabgeordneter und Mitglied der Zentrumsvartei als Zielscheibe dieser
Angriffe benutzt.
Kameraden! Ich könnte es ablehnen, mich gegen die mir gemachten
Vorwürfe zu verteidigen. Das weiß jeder Arbeiter des Saarreviers, daß
meine ganze bisherige Tätigkeit den Interessen der Arbeiter gegolten hat.
Hätte dieses Bewußtsein bei den Arbeitern nicht bestanden, so wäre ich nicht
uͤnter so schwierigen Verhältnissen vom hiesigen Wahlkreise ins Parlament
gesandt worden. Hätten dagegen nicht vielmehr gerade die Arbeiter mir ihr
Vertrauen entzogen, wenn ich jemals in meiner bisherigen Tätigkeit gegen
ihre Interessen gehandelt hätte. Kameraden! Die Angriffe gegen mich, sie
sind ja auch gar nicht ausgegangen von den Bergleuten, sondern von Fremden,
die sich an die Spitze der Streikbewegung gestellt haben. Sie haben jeden—
falls gehört, wie der aus dem Ruhrrevier gekommene Streikführer
Johann Effert mich in meiner Eigenschaft als Abgeordneter in der
denkbar schärfften Weise angegriffen hat. Als Anlaß benutzte er die Mit—
teilung der Presse, gemäß der ich auf dem Delegiertentage in Malstatt Be—
richt üͤber die Konferenz beim Minister erstattete. Herr Effert meinte, ich
hätte mich schämen sollen, weil ich auf dem Delegiertentage gesagt, „der
Minister habe es ehrlich mit seinen Worten gemeint.“
Wenn das ein sozialdemokratischer Führer gesagt hätte, würde ich es ver—
ständlich finden, bei dem Vertreter einer Gewerkschaftsrichtung aber, die
Anspruch auf den Namen christlich und national erhebt, die sich bei jeder
Gelegenheit der hohen Staatsregierung als „nationale Notwendigkeit“ in Er—
            
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