Full text : Memorandum zur Bergarbeiterstreikbewegung im Saarrevier 1912 - 13

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haftig nicht am Platze und die Arbeiter haben alle Veranlassung, dafür zu
sorgen, daß er an den richtigen Platz kommt. Angesichts der wirklichen Lage
der Dinge kann es einen blühenderen Unsinn gar nicht geben. Es ist mir,
Kameraden, wahrlich nicht leicht geworden, diese Ausführungen zu machen,
aber noch schwerer ist mir geworden, nicht noch mehr zu sagen. dden
ich halte es füremeine Pflicht, Prötest zu erheben gegen
den Verxat, der in diesem Vorgehen liegt. In dem Malstatter Beschlusse
liegt ein Berrat der Arbeifsbrüder. Ich will nicht sagen, daß
er gewollt ist, aber er liegt nun einmal drin. An Euch ist es, den Berliner
skameraden klar zu machen, wie verfehlt der Malstatter Beschluͤß ist.“
Dazu bemerken wir:
1. Diese Rede hat derselbe Effert gehalten, der als Vertreter des
Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter laut „Vorwärts“ vom 19. Sep⸗
tember 1907 auf dem internationalen Bergarbeiterkongreß in Salz—
burg (18. September 1907) erklärt hat: „In wirtschaftlichen Fragen
geht die christliche Gewerkschaftsorganisation mit der sozialdemo—
kratischen.“
2. Von der gegen Koßmann gebrauchten Aeußerung Efferts: „Ich
würde mich schämen usw.“ (s. oben S. 28) sagte der Handelsminister
Dr. Sydow am 11. Januar 1913: „Ich glaube, diese Wendung würde
auch einem der Rotesten der Roten Ehre machen“.
3. Der Abschnitt der Rede von „Kameraden“ bis „in Malstatt
geschehen ist“ soll ein Hieb sein gegen die katholischen Geistlichen, die
vom Streik abgeraten haben. Wenn Effert diesen nur „lückenhafte
wirtschaftliche Kenntnisse“ zuspricht, so legen diese auf sein Zeugnis gar
kein Gewicht; es liegt nur ein voreiliges, hochfahrendes Aburteilen
darin. Die ganze Ausführung aber ist geeignet, die Arbeiter gegen
die Geistlichen aufzureizen; das ist um so verwerflicher, weil die Unter—
stellung, als hätten die Geistlichen gegen eine Besserstellung der
Arbeiter etwas getan, unwahr ist. Durch einen Streik wäre eine
Schädigung der Arbeiterinteressen eingetreten.
4. Effert spricht gegen Schluß seiner Rede von dem Unsinn der
Ablegung von 10 000 Bergleuten, den der Abgeordnete Koßmann ver—⸗
zapft habe, hatte aber wohl vergessen, daß er selbst und die „Saar—
post“ im Juli 1912, als es galt, die Haltung der Christlichen im Ruhr—
revierstreik zu rechtfertigen, der Grubenbehörde vorgerechnet hatten,
daß sie Tausende von Arbeitern entbehren könne. (Vgl. hierzu die
Rede Koßmanns S. 36 sowie das Flugblatt S. 38.)
Wir lassen hier einen Sonderabdruck aus Nr. 298 (1912) der
Neunkirchener Zeitung folgen; darin ist Stellung genommen gegen
mancherlei Verdächtigungen der katholischen Organisation und des
Abgeordneten Koßmann.
Die Wahrheit über die Streilbewegung an der Saar.
Abgeordneter Koßmann sprach am vergangenen Sonntag über dieses
Thema in gut besuchten Versammlungen in Illingen und St. Wendel; er
führte folgendes aus:
Werte Kameraden! Die Veranlassung, die uns heute hier zusammen—
zeführt hat, ist eine außerordentlich wichtige. Die Bewegung unter, den
Bergarbeitern des Saarreviers ist an einem —* angelangt, wo sn einem
jeden, der es ehrlich mit den Bergarbeitern meint, die Frage aufdrängt:
Wird diese Bewegung dem Saarbergmann wirklich zum Nutzen gereichen, wird
sie ihm die längst erstrebte Verbesserung seiner Läge bringen oder muß sie
nicht für ihn, so wie die Dinge liegen, verhängnisvoll werden? Es herrscht
unzweifelhaft in weiten Kreifen der Bergarbeiterschaft Streikstimmung. Wer
            
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