Full text : Memorandum zur Bergarbeiterstreikbewegung im Saarrevier 1912 - 13

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getan?“) Er hat in Malstatt gesagt, der Minister hat es ehrlich mit seinen
Worten gemeint. Als Abgeordneter würde ich mich schämen, mit einer der—
artigen Redensart vor eine Konferenz hinzutreten. Und doppelt würde ich
mich schämen, wenn ich Abgeordneter eines Wahlkreises mit so starker, berg—
männischer Bevölkerung wäre, derart zu handeln, und keinen andern Rat
zu wissen, als den, nur hübsch still zu sein, und abzuwarten, was die Berg⸗
behörde zu tun für gut finde. Zwanzig Jahre dare die Arbeiter ruhig
zugesehen — und als Lohn fuͤr ihre Geduld hat man ihnen eine
verschlechterte Arbeitsordnung und eine ganz minimale Lohnerhöhung gegeben
und auch die nicht einmal vollständig. Wenn Herr Koßmann das nicht ein—
sieht, soll man dafür sorgen, daß er wieder ins Bergwerk hinein kommt.
(Lebh. Zust.) Man hat auf jener Tagung auch eine Resolution angenommen,
in der gesagt wird, man solle ruhig abwarten, was die Behörde weiter tun
werde. Jawohl, ruhig abwarten, bis die Verwaltung die Arbeitsordnung
aufgezwungen hat; ruhig abwarten, bis es der Behörde gefällt, ihre halben
Versprechungen in der Lohnfrage zu halten, das ist das Rezept der Herren
von „Sitz Berlin“.
Daß es mit diesem Rezepte nichts ist, zeigt schon allein die Tatsache,
daß die Arbeiter noch heute auf die volle Erfums der Versprechungen, die
Derr Geheimrat Fuchs gemacht hat, warten. Anstatt der versprochenen Lohn—
erhöhung ist der Schichtlohn noch um einen Psennig zurückgegangen. Und
angesichts einer solchen Sachlage haben die Herren von „Sitz Berlin“ den
Mut, den darbenden Arbeitern zu sagen: Seid ruhig und wartet ab, was
die Verwaltung tut! Kameraden, das sagt euch „Sitz Berlin“ in einem
Augenblick, wo die Konjunktur so günstig ist, wie in zwanzig Jahren nicht
mehr, wo eine außergewöhnlich gute Gelegenheit sich bietet, endlich zu
hesseren Lohn- und Arbeitsbedingungen zu kommen. Wenn die Saarbergleute
jetzt noch stillhalten wollten, Icduht ihnen recht. Gehr richtig!)
dameraden, wenn mich etwas als Katholik schmerzt,
dann ist es das, dast sich Leute der Bewegung zu be—
mächtigen fuchen, die infolge ihres Amtes und ihrer
lückenhaften wirtschaftlichen Kenntnisse besser draußen
blieben. In den letzten Jahren sind in verschiedenen
Bundesstaaten die Gehälter der Beamten und Geist—
bichen aufgebessert worden und die Arbeiter, die auch
ihre armen Groschen dazu beisteuern müssen, habenn
nicht das mindeste dagegen einzuwenden gehabt, weil
jie sich sagten, daß es notwendig sei. Jetzt verlangen
die aber auch, daß man sie von jeneer Seite mit gleichem
Maße messe, und sich ihnen nicht in den Weg stelle, wie
es in Malstatt geschehen ist. Ich hoffe, daß die Mehrzahl der
Berliner Arbeiter vernünftig genug ist, ihren Führern nicht zu folgen,
sondern die Standessolidarität hochhält. Edel, hilfreich und guüt sei der
Mensch, sagt der Dichter; dieses Wort rufe ich auch heute den Quer⸗
treibern zu. Ob sie sich in Malstatt klar darüber gewesen sind, welche
Rolle sie ihren Arbeitskollegen gegenüber spielen? Ich rufe es den Herren
hier öffentlich zu: mögen sie sich die Konsequenzen, die von ungeheurer Trag⸗
veite sind, gut überlegen. Glaubt man vielleicht auf seiten der „Berliner“,
damit dem Frieden zu dienen, daß man den um bessere Lebens—
bedingungen kaämpfenden Kameraden in den, Rücken
fällt? (Gebh. Pfuirufe und andere Zeichen des Unwillens.) Kameraden,
es ist höchste Zeit, daß wir Front machen gegen eine derartige Handlungs⸗
weise, die lediglich dem Fiskus zugute kommt, der bisher kein Einsehen
hatte und dem wir es nunmehr beibringen müssen. Herr Koßmann hat
gesagt, der Fiskus werde, wenn der Streik verloren gehe, 10 000 Mann ab—
egen. Wenn ein Abgeordneter solchen Unsinn verzapft, dann ist er wahr⸗

2) Effert weiß nicht, was Koßmann dem Minister gesagt hat; trotz⸗
dem tadelt er ohne Grund Koßmann und regt die Arbeiter gegen ihn auf.
            
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