Full text : Memorandum zur Bergarbeiterstreikbewegung im Saarrevier 1912 - 13

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zu Imbusch) haben genau dasselbe erreicht, was
JIhnen die Bergverwaltung vor dem 15. Dezember
konzediert hat.“
Wenn trotz aller Bemühungen vor dem 15. Dezember 1912 und
der entgegenkommenden Erklärungen der Behörden es nicht gelungen
war, die Streiklust vieler Bergarbeiter zu beseitigen, so trug nach den
Worten des Handelsministers eine Zeitung') viel dazu bei, indem
sie die Streikstimmung wachgehalten hat durch aufreizende Artikel, für
die — so fügte der Minister hinzu — der Gewerkverein christlicher
Bergarbeiter die Verantwortung ablehnt.

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Die katholische Organisation (Sitz Berlin) hatte ihren ent—
scheidenden Delegiertentag in Malstatt (Saarbrücken) am 15. 12. 1912.
Die Gründe, welche die Delegierten bewogen
haben, von einem Streik abzusehen und eine äab—
wartende Haltung einzunehmen, sind in der damals
vom Reichstagsabgeordneten Arbeitersekretär Koßmann gehaltenen
Rede („Neunk. Ztg.“ v. 17. 12. 12) dargelegt, wie auch kurz in der
Resolution der Delegierten. Der betr. Teil der Koßmann'schen Rede lautet:
Unsere Mitglieder haben die Einsicht, daß unsere katholische Berufs—
organisation vollständig ihre Pflicht getan hat. Wir erkennen die Forderung
auf Erhöhung der Löhne an und werden mit geeigneten Mitteln dafür ein—
treten. Wir loben auch die neue Arbeitsordnung nicht, wie das vielfach be—
hauptet worden ist, sondern hätten lieber gesehen, wenn die neuen Bestim—
mungen nicht gekommen wären, einmal der Sache wegen und dann auch, um
die verhängnisvolle Erregung fern zu halten.
Den Streik anlangend, macht man uns den Vorwurf, wir seien Streik—
brecher. Mit diesem Vorwurf kann man ruhig zu Hause bleiben. Wie können
wir Streikbrecher sein, wenn noch nicht gestreikt wird und wenn wir von vorn—
herein erklären, daß wir nicht mitstreiken? Ein Streikbrecher ist doch nur
derjenige, der zunächst mitstreikt und dann die Arbeit vor Beendigung des
Ausstandes doch wieder aufnimmt. Unsere Stellungnahme zum Streik ist
diejenige, wie sie bereits angegeben worden ist. Falsch ist die Mei—
nung, wir wären in allen Fällen gegen den Streik. Es
kann Streiks geben, die wir mitmachen. Aber daß wir vor—⸗
sichtig sind, ist begründet in unserer grundsätzlichen Stellungnahme zum Streik
und in praktischen Erwägungen. Es ist bekannt, daß die meisten Streiks zum
Schaden der Arbeiter ausgehen.
Was nun den gegenwärtigen Streik im Saarrevier angeht, so kann ich
das eine sagen, wenn wir uns heute gegen den Streik erklären, so tun wir
etwas, was auch der Meinung maßgebender Führer der christlichen Gewerk—
schaften Deutschlands entspricht. Um einen erfolgreichen Streik führen zu
können, ist notwendig, daß
1. die Arbeiterschaft geschlossen dasteht. Diese Vor—
bedingung ist von vornherein nicht gegeben, nicht durch unsere Stellungnahme
allein; es gibt auch unter den Saarbergleuten noch sehr viele, die mit einem
Streik nichts zu tun haben wollen;

)y Gemeint ist die „Saarpost“; vgl. Rede des Handelsministers S. 44.
            
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