Full text : Memorandum zur Bergarbeiterstreikbewegung im Saarrevier 1912 - 13

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das Saarrevier, empfangen. Auf die Vorstellungen Koßmanns hin
erklürte Geheimrat Huck, „daß keine Ursache zu der Erregung unter
den Saarbergleuten infolge der Abänderung der Arbeitsordnung vor—
liege; denn diese enthalte keine wesentlichen Abände—
rungen gegenüber den früheren“. Bei der Erwähnung
der Beschwerden wegen der Löhne wies der Geheimrat darauf hin,
daß die Regierung gewillt sei, die Löhne weiter
steigen zu lassen, vorausgesetzt, daß keine Störun—
gen des Betriebes verursacht wüurden.
Die katholische Arbeiterorganisation gab sich aber auch mit diesen
Erklärungen noch nicht zufrieden; sie wollte die Bestätigung für die
ihr gewordenen Mitteilungen aus dem Munde des Ministers selbst
hören. Deshalb hatte Herr Abg. Koßmann in Gemeinschaft mit dem
Reichstagsabgeordneten Dr. Werr und dem Landtagsabgeordneten Dr.
Glattfelter am Mittwoch, dem 11. Dezember 1912, eine Unterredung
mit dem Handelsminister Dr. Sydow über die Lage der Saarbergleute.
Darüber gab der Handelsminister Dr. Sydow selbst
Aufschluß in seiner Rede im Preußischen Abgeordnetenhause am
11. Januar 1913:
„Bereits am Tage vorher (d. h. vor der Audienz der drei christlichen
Grubenausschußmitglieder, die am 12. Dezember stattfand, also am 11. De—
zember 1912) war der Reichstagsabgeordnete des Wahlkreises Ottweiler—
St.⸗“Wendel, Abgeordneter Koßmann, der ein Vertreter der katholischen
Arbeitervereine Gerliner Richtung) ist, mit einem anderen Reichstags—
abgeordneten und mit dem Herrn Abgeordneten Glattfelter aus diesem Hause
bei mir gewesen und hatte sich bei mir über die Tragweite der neuen Bestim⸗—
mungen und über die Absichten, die die Bergverwaltung in bezug auf die
Löhne an der Saar habe, erkundigt. Ich habe den Herren genau in demselben
Sinne, wie es der Vorsitzende der Bergwerksdirektion in Saarbrüceen getan
hatte, auseinandergesetzt, wie diese neuen Bestimmungen der Arbeitsordnung
von der Verwaltung verstanden würden, daß sie nichts anderes seien als im
wesentlichen eine Kodifizierung der geltenden Praxis, und habe in bezug auf
die Löhne dasselbe gesagt, was der Vorsitzende der Bergwerksdirektion in
Aussicht gestellt hatte. Es kam damals schon, am Tage bevor die drei Saar—
bergleute der christlichen Gewerkschaften bei mir waren, die Sprache darauf,
ob es nicht zwedmäßig wäre, die Auslegung, wie ich sie den bei mir an—
wesenden drei Abgeordneten von der Richtung der katholischen Arbeitervereine
gegeben hatte, noch einmal gedruckt zu formulieren und an der Saar zu ver⸗
breiten. Ich weiß nicht ganz sicher, ob die Anregung, wie ich glaube, von
mir ausgegangen ist, oder von den Herren, die mich besuchten. Ich habe zu—
gesagt, das zu tun.“
Am 24. Dezember 1912 hatte auch der Verbandssekretär
der Berliner Dr. Fleischer eine Audienz beim Handels—
minister Dr. Sydow. Ihm erklärte der Minister
wiederholt, „daß er an jenen, den drei Abgeordneten
Koßmann, Glattfelter und Werr gegebenen Zu—
sagen unbedingt festhalten wolle, vorausgesetzt natürlich,
daß die Saarbergleute sich in keinen Streik einließen; zum Beweise
dafür, daß es ihm ernst sei, die neue Arbeitsordnung in einem
milden Sinne zu handhaben, habe er, wiediesder Abgeordnete
            
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