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minister Dr. Sydow: „Wenn wir die Schlepperzeit verkürzen, nehmen
wir auch die Kosten dafür auf uns; wir haben ermittelt, daß die Ge⸗—
dinge deshalb erhöht werden müssen; die Kosten werden wir tragen.“
Als zu der Unzufriedenheit der Bergarbeiter wegen unzuläng—
lichen Verdienstes bei den hohen Lebensmittelpreisen im Anfang No—
pember 1912 die neue Arbeitsordnung herauskam, die manche Härten
enthält, trat eine große Erregung der Arbeiter ein. Die kath. Organi—
sation der „Berliner“ war, wie immer so auch jetzt, sofort zur Stelle,
um die Rechte der Arbeiter zu vertreten. Nur erschien ihr der Streit
unter den obwaltenden Umstaͤnden nicht als geeignetes Mittel zur Ab—
hilfe der Uebelstände, aus Gründen, die weiter unten dargelegt werden.
Als die Berliner einsahen, daß die Bergverwaltung mit der neuen
Arbeitsordnung, zu der die Grubenausschußmitglieder nach 8 80 des
Berggesetzes wohl gehört werden mußten, aber nicht entscheidende
Stimme hatten, durchdringen werde, waren sie sofort darauf bedacht,
zugunsten der Arbeiter noch zu retten, was zu retten war, und Ver—
besserungen zu erreichen. Daraufhin kam 8 42 Absatz 10 ganz in Weg—
fall, Veränderungen wurden seitens der Bergverwaltung in 5 Para—
graphen vorgenommen. Der Berliner Arbeitersekretär Hans von
Neunkirchen hatte in einer längeren Besprechung mit der Kgl. Berg—
werksdirektion für drei organisierte Grubenausschußmitglieder der
Berliner Richtung, Backes, Bechtel und Scherer, eine Audienz er—
beten. Diese fand am 5. Dezember 1912 statt. Die drei genannten
Arbeiter trugen die Forderungen der Bergleute betreffend Lohnfrage
und Arbeitsordnung vor. Geheimrat Fuchs vertrat bezüglich der
neuen Arbeitsordnung den Standpunkt, daß es sich nicht um wesent—⸗—
liche Veränderungen gegenüber der früheren handele, sondern der neue
Wortlaut sei meist nur redaktioneller Natur, den heutigen Verhältnissen
und dem Bürgerlichen Gesetzbuch angepaßt, die Prarxis bleibe wesentlich
wie bisher. Bezüglich Lohnfragen wies schon damals Ge—
heimrat Fuchssdaraufhin,daßerdie Löhneim Laufe
des Jahres 1912 andauernd habe steigen lassen,
und daßß diese Aufwärtsbewegung der Löhne
auch im kommenden Jahre beibehalten werden
folke, und daß im Frühjahre 1913 eine allgemeine
Lohnerhöhung stattfinden solle, sofern sie nicht
durch Betriebsstörungen wor allem Streit) unmög—
lich gemacht würde. Das Grubenausschußmitglied Backes be—
antragte damals in der Audienz am 5. Dezember 1912, es möchten die
Erklärungen zu der Arbeitsordnung und zu der Lohnfrage, wie sie Ge—
heimrat Fuchs gegeben hatte, in der Presse veröffentlicht werden.
Diesem Wunsche wurde entsprochen. Schon am 7. Dezember
1912 veröffentlichte der Bergmannsfreund (amtl.
Organ) die betr. Erklärungen. Dieselben unter—
scheiden sich nur wenig von den authentischen Er—
klärungen, die am 11. DBezember 1912vom Handels—
minister in der Audienz der Abgeordneten Koß—
mann, Glattfelter und Werrzugesagt wordensind.
Die katholische Organisation beruhigte sich jedoch bei diesen Er—
klärungen des Herrn Geheimrat Fuchs nicht. Der Berliner Arbeiter—
sekretär Abgeordneter Koßmann sprach am Samstag, den 7. Dezember
1912, zum erstenmal im Preußischen Handelsministerium in Berlin
vor. Er wurde damals von Geheimrat Huck, dem Dezernenten für