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Auf diesen Artikel hat die „Saarpost“ nichts geantwortet, obschon
der Verleger Scheuer sich drei Exemplare der betr. NRummer der „Neun—
kirchener —— hatte kommen lassen.
Seitens der katholischen Organisation wurden mehrmals Ver—
suche gemacht, bei gewissen Anlaͤssen ein Zusammengehen mit den
Christlichen zu ermöglichen, was aber von diesen immer abgelehnt
wurde. Gleich nach Erscheinen der Enzyklika „Singulari quadam“ hat
die „Saarpost“ die schon oft widerlegte Behauptung aufgestellt,
daß die Berliner den Streik grundsätzlich verwürfen und da—
durch ein Zusammengehen mit ihnen unmöglich machten. Es wurde
damals in der „Neunkirchener Zeitung“ vom 18. November 10912
darauf folgendes erwidert: „Als katholische Arbeitervereinigung wollen
die Berliner für den Streik keine anderen Moralgrundsaͤtze, als die
der katholischen Kirche sowie die Weisungen der Enzyklika „Rerum
Noparum“. Nach eben denselben Grundsätzen und Weisungen sind
nach der letzten Enzyklika „Singulari quadam“ auch die katholischen
Mitglieder der christlichen Gewerkschaften sich zu richten ie Füh⸗
rende Personen und Blätter der Berliner haben wiederholt erklärt,
daß unter Umständen ein Streik wohl erlaubt sein kann; die Berliner
verwerfen also nicht grundsätzlich den Streik.“
Vor zwei Jahren hat selbst ein Blatt der Kölner Richtung auf
den gefährlichen Radikalismus hingewiesen, der mancherorts im
Saarrevier eingerissen sei. Wer den Ton der „Saarpost“ seit acht
Jahren kennt und die Agitationsweise der christlichen Gewerkschafts—
funktionäre, die unter steter Anpreisung des Streiks die katholische
Organisation in rein katholischen Gegenden scharf bekämpft haben,
beobachten konnte, der wundert sich über diesen Radikalismus nicht.
Schon beim Ruhrstreik im Frühjahr 1912 waren viele Mitglieder
der christlichen Gewerkschaften darüber ungehalten, daß ihre Führer
an der Ruhr und im Sagrrevier nicht streiken wollten. Der starke Mit—
gliederverlust des Gewerkvereins christlicher Bergarbeiter im Saarrevier
in der ersten Hälfte des Jahes 1912 hat darin eine Hauptursache. Die
von den — früher genährte Streiklust erhielt sich infolge un-—
zureichender Löhne, die in den Jahren 1911 und 1912 zu zaähl—
reichen Abwanderungen von Bergarbeitern geführt haben. Dazu kam
im Herbst 1912 eine neue Arbeitsordnung, deren Wortlaut
berechtigten Grund zur Unzufriedenheit geben mußte. Ganz besonders
aber war die Art und Weise, wie der Bergfiskus diese Arbeitsordnung
plötzlich einzuführen versuchte, geeignet, Mißtrauen zu erwecken. Die
Christlichen waren nach Lage der Sache, um nicht den Rest ihrer Mit—
glieder zu verlieren, im Dezember 1912 gewissermaßen gedrängt, in
eine Streikbewegung einzutreten. Man hat vielfach geglaubt, es habe
in führenden Kreisen der christlichen Gewerkschaft nicht die ernste Ab—
sicht bestanden, es zum Streike kommen zu lassen, sondern man habe
nur eine Streildrohung machen wollen. Darüber wollen wir hier
kein Urteil abgeben. Daß Rücksichten auf die Organisation die
Stellungnahme des christlichen Gewerkvereins von Anfang an beeinflußt
haben, ist auf den Revierkonferenzen am 15., am 29. und 30. Dezember
1912 deutlich genug zum Ausdruck gekommen.)) Fest steht auch, daß man
die Erregung der Bergarbeiter in der Streikbewegung ausnutzen wollte
1) VBgl. „Köln. Volksztg.“ vom 16. 12. 1912 (Nr. 1102) und vom
81. 12. 1912 (Nr. 1145).