Full text : Memorandum zur Bergarbeiterstreikbewegung im Saarrevier 1912 - 13

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schen Interessen schädigenden Einfluß zu gewinnen suchen. Für die
katholischen Arbeiter war zu einer solchen Organisation der Weg gezeigt
in der Enzyklika „Rerum novarum“ und dem Fuldaer Pastorale.
Diesen Anregungen entsprechend, fand die erste Beratung, betreffend
Gründung von Arbeitervereinen und Anschluß derselben an den katho—
lischen Arbeiterverband (Sitz Berlin) unter ausdrücklicher Gutheißung
des hochw. Herrn Diözesanbischofs Dr. Korum in Trier am 28. April
1902 zu Illingen statt. Darauf folgten zahlreiche Neugründungen
don katholischen Arbeitervereinen und allmählicher Anschluß dieser und
schon bestehender Vereine an den „katholischen Arbeiterverband GSitz
Berlin)“, z. B. Wiebelskirchen am 16. Mai 1902, Illingen am
18. August 1902.
Nachdem die katholische Arbeiterorganisation schon zwei Jahre ein—
geführt war, setzte der „Gewerkverein christlicher Bergarbeiter“) — ent—
gegen den Intentionen des, Bischofs von Trier — erst am 1. Mai 1904
ein. Während derselbe in anderen Gegenden ein Gegengewicht gegen
die Sozialdemokraten bilden will, eröffnete er im Saar—
revier vornehmlich den Kampf gegen die katho—
lbische Organisation. In diesem Kampse bedienten sich die
Christlichen der von ihren Gönnern am 25. Juni 1904 gegründeten
„Saarpost“?). Diese in Saarbrücken erscheinende Zei—
tunghat von Anfang an die christlichen Gewerk—
schaften einseitiggefördertundinaller Schärfedie
katholische Organisationbekämpft. Sie hat nicht nur
alles, was die katholische Organisation unternahm, sei es an agitatori—
schen Maßnahmen oder sei es zum Zwecke der Verbesserung der Lage der
Arbeiter, bekritelt und in der Oeffentlichkeit herabzuseten gesucht, son—
dern auch beharrlich das Berliner System als wirtschaftlich verfehlt
bezeichnet und bekämpft, obschon sie wußte, daß das Berliner System
genau nach den Weisungen des Papstes und des Fuldaer Pastorale
eingerichtet ist. Der Kampf nahm oft häßliche Formen an. So sah
z. B. der Bezirkspräses des Saarreviers (Sitz Berlin), Herr Dechant
Hansen, sich veranlaßt, der „Saarpost“ folgende Berichtigung zugehen
zu lassen: „Illingen, den 24. Juli 1908.
An die Redaktion der „Saarpost“ in St. Johann.
Unter Berufung auf den 8 11 des Preßgesetzes ersuche ich Sie um Auf⸗
nahme folgender Berichtigung:
Herr Bezirksleiter Hüskes von den christlichen Gewerkschaften veröffent—
licht in Nr. 167 der „Saarpost“ eine Erklärung, in welcher er verschiedene
Behauptungen in meiner Rede zu Thalexweiler vom 19. Juli als unwahr
bezeichnet. Ich antworte darauf wie folgt:
1. Herr Hüskes sagt, es sei unwahr, daß er katholische Priester nach—
geäfft habe. Ich halte meine Behauptung aufrecht. In der Gründungsver—
sammlung der christlichen Gewerkschaften in Spiesen am 12. November 1905
prach Herr Hüskes in beleidigender Weise über Herrn Pastor Dr. Royer und
1) Der Kürze halber gebranchen wir in der Folge öfters für die beiden
Organisationen die kuürzen Benennungen „Berliner“ und „Christliche“.
2) Meurer, der frühere Redakteur der „Saarpost“, hat sich in Beuthen
am 13. April 1913 öffentlich zu den Grundsätzen des Berliner Verbandes
hekannt und sie aufs wärmste empfohlen. Er hat als seine Ueberzeugung
erklärt, daß nicht durch Machtkampf, sondern durch friedlichen Ausgleich
zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer die Lage der Arbeiter gebessert wer—
den könne.
            
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