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wären, wie man später behauptet hat, ist nicht wahr. Es fehlten aber
den Führern die zur sachgemäßen und ersprießlichen Leitung einer der—
artigen Organisation nötigen kaufmännischen, juristischen und volks—⸗
wirtschaftlichen Kenntnisse. Dadurch kamen sie in eine gewisse Abhängig—
keit von sozialdemokratischen Ratgebern, die sich ihnen aufdrängten.
Nach dem Urteil maßgebender Kenner der Verhältnisse war der
Streik im Vergleich zu den zu erwartenden Uebelständen nicht ge—
nügendbegründet und schien angesichts der veränderten Stellung
der Bergverwaltung, die sich diesmal der Sache hartnäckiger und gewapp—
neter gegenüberstellte, aussichtslos. Aus diesen Gründen sah sich
auch der Hochw. Herr Bischof Dr. M. Felix Korum aus
Trier veranlaßt, in einem Schreiben vom 30. Dez. 1892
andie Pfarrerder Dekanate Lebach, Ottweiler, Saar—
brücken, Saarlouis und St. Wendel vor dem Streik zu
warnen. Wie es nicht anders zu erwarten war, ging der Streik, trotz—
dem sich zirka 20 000 Mann daran beteiligten, verloren, 500 Mann
wurden zur Strafe gänzlich und 2000 zeitweilig entlassen, und die
übrigen Streikenden mit 6 Mk. Geldstrafe belegt. Der Lohn wurde stark
vermindert, und die ungünstige Arbeitsordnung von 1891 wurde nun den
Belegschaften aufgezwungen. Der Rechtschutzverein ging in die Brüche.
Die Bergleute wurden unter Androhung der Ablegung gezwungen, aus
dem Verein auszutreten. Die Schulden auf dem Saalbau konnten
nicht gedeckt werden, und dadurch ging das ehemalige Versamm—
lungshaus des Rechtschutzvereins nach einigen Jahren in den Besitz
des Bergfiskus über. Diese Niederlagen wirkten auf die Belegschaften
so niederdrückend, daß ein Jahrzehnt lang keine Organisation mehr
aufkam. Ein politisches Bevormundungssystem ohne gleichen setzte sich
durch, so daß das Saarrevier unter dem Namen „Saarabien“ in
ganz Deutschland unangenehm bekannt wurde.
Dieser Zustand dauerte bis zu dem großen Hilger-Lehnen-Prozesse
des Jahres 1903. Der Zentrumssieg im Wahlkreise Ottweiler—
St. Wendel —Meisenheim bei der Reichstagswahl 1903 über den libe—
ralen Geheimen Bergrat Prietze hatte in liberalen Kreisen große Er—
bitterung hervorgerufen. Der Vorsitzende der Kgl. Bergwerksdirektion
zu Saarbrücken, Geheimrat Hilger, stellte Strafantrag
gegen den Redakteur des Dasbachschen Zentrums—
organs in Neunkirchen, Ludwig Lehnen. Der erste
Prozeß fand statt am 30. und 31. Oktober 1903, der zweite vom 15.
bis 23. Dezember 1903, beide vor der Strafkammer Saarbrücken.
Wenn auch der Redakteur zusammen zu 1400 M. Geldstrafen ver—
urteilt worden ist, so wurden doch durch die umfangreiche Beweis—
aufnahme politische Bevormundungen, Beeinflussungen und Maß—
regelungen nachgewiesen. Hier sei auch erwähnt das große Ver—
dfenst des Reichs⸗- und Landtagsabgeordneten
Kapl'an Dasbach von Trier, der schon seit den dder Jahren sich
in hervorragendem Maße der sozialen und politischen Rechte der Berg—
leute des Saarreviers angenommen hat. Dabei schrak er vor keinem
finanziellen Opfer zurück. Allein die Kosten der Hilger-Lehnen-Prozesse
beliefen sich auf 20 000 M.
Die Ergebnisse dieser Prozesse gaben dem Bergmann Krämer
aus Sulzbach Veranlassung, zwei Flugblätter herauszugeben, in welchen
er Propaganda für den freien Bergarbeiterverband machte. Da er
aber noch weitere Anschuldigungen gegen die liberalen Bergbeamten