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VII.
ohluberwügungen.
1.
In Nr. 27 (1913) der „Köln. Volksztg.“ ist die Rede
vom Frieden und von hohen ideellen Werten, die
durch den Zwist zertrümmert würden. Es ist uns recht, daß
darauf hingewiesen wird. Daß hohe ideelle Werte durch den
Zwist zertrümmert werden, insbesondere in der letzten Berg—
arbeiterbewegung zertrünmert worden sind, nehmen am ehesten
wahr die Geistlichen, die unter dem Volke als Seelsorger
arbeiten. Deshalb bedauern dieselben gar sehr den Zwist und
sehnen sich nach Frieden. Wenn die „Köln. Volksztg.“ meinte,
durch „haltlose Vorwürfe diene man nicht dem Frieden“, so stimmen
wir ihr zu. Deshalb hielten wir es für gut, in dieser Broschüre zu
zeigen, daß die in der Erklärung der 33 Geistlichen vom 30. Dezember
1912 (S. 3) gemachten Vorwürfe wahr sind. Die Wahrheit ist
allein das Fundament für einen dauernden Frie—
den. Nur die Absicht, die zu Anfang der Broschüre
betont ist, lediglich der Wahrheit zu dienen, hat
uns bei allen Ausführungengeleitet.
Daß hohe ideelle Werte zertrümmert werden durch Zwist, sieht
jeder ein; aber es ist doch auch sehr wichtig, zu wissen, wer denn eigent⸗
lich schuld istan dem Zwist und an manchen unangenehmen Erörterungen.
Wer hat in der Streikbewegung bei Gelegenheit von Versammlungen
in taktloser Weise Fragen berührt, deren Erwähnung für alle ernsten
Christen peinlich sein mußte? So hat z. B. gleich zu Ansand in
St. Wendel am 23. Dezember 1912 in einer Agitationsversammlung
der Christlichen Kirschbaum, der Sekretär des Volksvereins M.-Glad⸗
bach, in seiner Rede sich ungefähr also ausgedrückt: „Gerade die katho—
lische Geistlichkeit sollte mit den Arbeitern gehen und dazu beitragen,
daß die Bergleute bessere Löhne erhielten, damit sie dem sittlichen Ge—
bote der Ehe nachkommen könnten.“ In Bildstock wandte sich am
8. Januar 1913 der Bergmann Rauber aus Tholey, ein Agitator
für die Christlichen, gegen den Kaplan Schmitt aus Bildstock und sagte
linhaltlich wiedergegeben) also: „Sie sind schuld, daß es uns so schlecht
geht und wir so viele Arbeiter im Saarrevier haben. Hätten wir nicht
so viele Kinder, dann wäre es anders bei uns.“ Die weiteren hieran
sich schließenden Erörterungen übergehen wir.
Das Hereinzerren solcher delikater Angelegenheiten war deshalb
noch besonders taktlos, weil sie in Zusammenhang gebracht wurden
mit diesbezüglichen ernsten Pflichten der katholischen Geistlichen, deren
Aufgabe es ist, das von Gott gegebene Sittengesetz der
Heilighaltung der Ehe zu lehren. Es lag gar kein Grund
dor, solche Sachen, wodurch die Arbeiter gegen die Geistlichen auf—
gebracht werden mußten, zur Sprache zu bringen. Denn die Geist⸗
lichen sind alle für Besserstellung der Arbeiter gewesen. Wenn sie den
Streik nicht bisligten, so geschah es eben deshalb, weil sie überzeugt
pag daß durch einen solchen die Lage der Arbeiter verschlechtert
würde.
Wie sehr falsche Ideen bereits in die Arbeiter gedrungen sind,
das illustrieren folgende Beispiele: