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während der Streikbewegung auch im Interesse der Zentrumspartei gelegen
gewesen sei. Angesichts der bereits klar zutage liegenden Tatsachen ist das
ein starkes Stück. Es lohnt sich nicht der Mühe, auf die Ausführungen näher
einzugehen, nur soviel sei dazu bemerkt, daß der Vorstand der —
partei des Wahlkreises Ottweiler-St. Wendel-Meisenheim sich veranlaßt
gesehen hat, gegen das die Partei schädigende Vorgehen der „Saarpost“ und
des Zentrumsabgeordneten Imbusch bei der Reichstags- und Landtagsfraktion
des Zentrums schärfsten Protest einzulegen. Durch diese im Interesse der
Parteidisziplin notwendige Maßnahme der offiziellen Instanz der Zentrums—
organisation des Wahlkreises Ottweiler-St. Wendel-Meisenheim werden die
Redensarten der „Sgarpost“ besser illustriert, als durch eine Widerlegung
geschehen kann. Der Vorstand billigt im übrigen voll und ganz die Stellung—
nahme des Abg. Koßmann zum Streik.
Dazu schrieb am 23. Januar 1913 (Nr. 68) die „Köln. Volksztg.“:
Wenn die „Berliner“ glauben, durch eine solch gehäfssige Sprache
gegenüber Mitgliedern der Zentrumspartei ihrer Sache dienen zu können, so
befinden sie sich im Irrtum. Die Einlegung auch des schärfsten Protestes
gegen etwas, was den Berlinern nicht gefällt, ist noch lange kein Beweis für
die Berechtigung einer solchen Maßnahme. Bei einer objektiven Prüfung
der Angelegenheit durch eine autoritative Stelle könnte sich ein ganz anderes
Bild der Schuldfrage ergeben, als die Protestler wünschen. In eigener Sache
zu urteilen, ist mißlich.
Die „Protestler“ sind der offizielle Vorstand des Wahlkreises Ott—
weiler⸗St. Wendel-Meisenheim. Es dürfte wohl der „Köln. Volksztg.“
nicht gestattet gewesen sein, die Sprache des Artikels der „Neunk. Ztg.“
„gehässig“ zu nennen. Von Gehässigkeit ist der Artikel frei. Oder ist
es schon Gehässigkeit, wenn man der „Saarpost“ widerspricht und sich
von den christlichen Gewerkschaftsführern nicht alles gefallen läßt?
Der Wahlkreis Ottweiler-St. Wendel-Meisenheim wurde 1912 zur
Freude aller Zentrumsleute in ganz Deutschland mit großen An—
strengungen fürs Zentrum erobert. Nun erleben wir es, daß sein
offizieller Vorstand von der „Köln. Volksztg.“ und der „Saarpost“, zu
denen sich auch die linksliberale „Neunk. Volksztg.“ mit Wohlbehagen
gesellt, öffentlich bekämpft wird, weil er die Interessen der Zentrums—
bpartei durch einen Protest gewaährt hat.
Bisher wurde immer gesagt, die christlichen Gewerkschaften seien
politisch neutral. Warum hat man aber hier wieder politische An—
gelegenheiten mit Gewerkschaftsfragen verquickt? So wird im Wahl—
kreise Ottweiler-St. Wendel-Meisenheim, wie es auch 1912 im Wahl⸗
kreise Saarlouis-Merzig-Saarburg') sich gezeigt hat, durch die Art und
Weise, wie die Christlichen in wirtschaftlichen Fragen vorgehen, die so
notwendige Einigkeit der Katholiken in politischer Hinsicht gefährdet, ja
auf die Dauer zerstört. Das gibt allen Katholiken zu denken: denn in
ähnlicher Lage sind viele Wahlkreise
2) Am 2. März 1913 fand zur Deeeene der bei der letzten Reichs—
fagsersatzwahl 1912 in der Zentrumspartei im Wahlkreise Saarburg-Merzig—
Sdarlouis zutage getretenen Unstimmigkeiten eine Konferenz statt, woran sich
beteiligten: Justizrat Trimborn, Oberlandesgerichtsrat Marx, Dr. Jörg, der
betreffende Wahlkreisvorstand, der Reichstagsabgeordnete Dr. Werr und Ver—⸗
trauensleute der Bergarbeiter. Es wurde die Einigkeit der Zentrumspartei
des Wahlkreises wiederhergestellt.