fand in Sulzbach eine Versammlung statt, in der eine Resolution angenommen
wurde, in der es heißt: „Die Saarbergleute sind nicht gewillt, eine derartige
Arbeitsordnung anzunehmen und werden mit allen ——— zulässigen und
ihnen zu Gebote stehenden Mitteln jede Verschlechterung abzuwehren ver—
suchen. Die versammelten Mitglieder sind sich klar darüber, daß diese Mittel
nur dann richtig angewendet werden können, wenn eine starke gewerkschaft—
liche Organiiation vorhanden ist.“ Diese Resolution wurde auch in Alten—
wald angenommen. Aus den Reden und Resolutionen dieser Zeit klang über⸗
haupt die Aufforderung: Rüstet zum Streik! In keiner Versammlung haben
die Gewerkschaftsfunktionäre den Versuch gemacht, der Streikstimmung vor—
zubeugen. Der beste Beweis dafür, daß die Organisation des Gewerkvereins
den Streik vorbereitete und wachrief, ist die Tatsache, daß die Streikstimmung
fich vorwiegend in den Gegenden äußerte, wo die christliche Organisation ver—
breitet ist. In den Orten, wo die „Berliner“ bestehen, war alles ruhig, bis
die christlichen Agitatoren durch Versammlungen, die zum Streik aufriefen,
Unruhe brachten. In derselben Nummer sucht die „Köln. Volksztg.“ den
katholischen Arbeitervereinen (Sitz Berlin) jede größere Bedeutung in der
gegenwärtigen Arbeiterbewegung abzusprechen, indem sie die Zahl der Mit—
glieder der katholischen Arbeitervereine auf 10 000 angibt. Darunter „dürften
kaum inig tausend Bergleute“ zum Sitz Berlin gehören. Dabei betrug die
Zahl der Bergleute, die zum Sitz —* gehören, 12000. Noch eine
weitere Unrichtigkeit ist der „Köln. Volksztg.“ in dem gleichen
Artikel unterlaufen. Sie schreibt: „Daß die katholischen Fachabteilungen
dem Streik widerstreben, ist nicht zu verwundern; wer ihn grundsätzlich
verwirft, kann ihn nicht proponieren.“ Es ist unrichtig, daß die Fachabtei—
lungen den Streik grundsätzlich verwerfen. Abgeordneter Koßmann sagte auf
dem Delegiertentag vom 15. Dezember 1912 in Malstatt:
„Falsch ist die Meinung, wir wären in allen Fällen
gegenden Streik. Es kann Streiks geben, die wir mitmachen, aber daß
wir vorsichtig sind, ist begründet in unserer grundsätzlichen Stellungnahme
zum Streik und in praktischen Erwägungen.“
In Pr. 1106 veröffentlicht die „FRöln. Volksztg.“ einen kurzen Bericht
über den Delegiertentag der katholischen Arbeitervereine in Malstatt; sie
greift aus dem Bericht der „Saarbrücker Volksztg.“ eine Anzahl Punkte her—
aus, die ihr pplemische Bemerkungen gegen die „Berliner“ ermög—
lichen, aber sie bringt es nicht über sich, die Beweggründe mitzuteilen, die
der Abgeordnete Koßmann gegen den Streik ins Feld führte und die später
in der Delegiertenversammluüng vom 20./30. Dezember 1912 von Stegerwald
und Giesberts, wenn auch in anderer Form, ebenfalls vorgetragen wurden.
Wie einseitig die „Köln. Volksztg.“ über die Streikbewegung an der Saar
berichtete, ergibt sih auch aus ihrer Nr. 1113. Dort läßt sie das Ergebnis
der Kündisgung dahin zusammenfassen, „daß die überwältigend große
Mehrheit der Saarbergleute den Beschluß der Revierkonferenz des Gewerk—
vereins, nach erfolgter korporativer Kündigung am 2. Januar die Arbeit ein—
zustellen, vollständig billigt.“ Daß dies nur eine Großsprecherei im Sinne
der Streikagitatoren war, hat die Folge bewiesen. Denn Stegerwald hat in
der Revierkonferenz vom 30. Dezember, nachdem inzwischen die christlichen
Gewerkschaften noch einige tausend Mitglieder gewonnen hatten, selbst zugeben
müssen, daß nuür etwa 16000 Gewerkvereinlber hinter dem
Streikbeschluß ständen. Das ist etwa ein Drittel der Belegschaft, die 50 000
Mann umfaßt. Und selbst die Mitgieder des Gewerkpereins waren nicht alle
für den Streik, wie sich aus den Aeußerungen einzelner Delegierter in der
Revierkonferenz am 29./30. Dezember 1912 ergab. In demselben Artikel
wird auch versucht, die Bedeutüng des Beschlusses der „Berliner“, nicht in
den Streik zu treten, als möglichst geringfügig hinzustellen, weil die „Ber—
liner“ keine festgefügte Organisation darstellen und in den Arbeitervereinen
sich auch eine Anzahi christlicher Gewerkvereinler befänden. Diese Verkleine—
rung der Bedeutung von „Sitz Berlin“ ist ebenfalls durch die Tatsachen
glänzend widerlegt worden. Denn die „Berliner“ hatten sich, von wenigen