Full text: Das Saargebiet und die Französische Revolution

Auch das Derhalten der FJranzosen selbst vermochte bei der Saar- 
bevölkerung keine Sympathien für sie zu erwecken. Zwar ver— 
sprachen das Uuftreten des Dolksrepräsentanten Becker in 
Saarbrücken *e), seine Untersuchungen über die HAusleerungskom- 
mission, deren Erpressungen, die, wie es in seinem Berichte heißt, „bei 
civilisierten Nationen ohne Beispiel sind“, den Bewohnern eine 
menschlichere Behandlung. Aber auch jetzt sollten sich diese in ihrer 
Hoffnung getäuscht sehen. Becker sammelte nur das Material, um 
die Schreckensherrschaft aufs neue anklagen zu können, ohne 
sich aber für eine Besserung der Lage der Bewohner des besetzten 
Sebietes einzusetzen. Merlin war vor allem darauf bedacht, das 
eroberte CLand für die Unterhaltung des Militärs heranzuziehen 
und ließ selbst die Propaganda zurücktreten, wenn es sich um 
militärifche Erfordernisse handelte “o). Darum ernannte er neue Be⸗ 
amte, die „Agenten“, die nur seine gefügigen Werkzeuge waren *). 
Daß er gerade Deutsche heranzog, ist nicht ein Zeichen des Der— 
trauens. Er glaubte vielmehr, durch diese ein besseres finan— 
zielles Ergebnis zu erzielen. Wer waren die deutschen Agenten 
im Saargebiet? Die Gebrüder Beer und heli aus Ottweiler, die 
schon vor der RKevolution als jüdische Wucherer bei der Bevölke⸗ 
rung verachtet waren. Heli verwandelte seinen UNamen in 
Heuilly, um die Franzosen über seine Gesinnung nicht im Unklaren 
zu lassen »2). Diese Juden übten ihre frühere Jätigkeit im nörd- 
lichen Saargebiet (vor allem in St. Wendel) in größerem Um— 
fange aus und gingen mit der rohesten Rücksichts losigkeit gegen 
die Bevölkerung vor »). Wenn auch Merlin ein „Bureau des 
Réclamations“ ins Leben rief, um die Willkür der Egenten ein- 
zuschränken, so waren die Männer, die es leiteten, nicht dazu 
angetan, großes Dertrauen unter den Bewohnern zu erwecken ). 
Am Niederrhein hatten die Franzosen schon Ende 1794 eine 
„Zivilverwaltung für die Lande zwischen Maß und Rhein“ 6) er⸗ 
richtet, unter die auch das Kurfürstentum Trier für kurze Zeit 
sss) Vgl. Aus dem Offizialbericht des Volksrepräsentanten Becker an den 
Konbeni, 13. Juni 1795: Ueber die Erpressungen in Saarbrücken. MH. VIII 
S. 144 ff. 
wo) Vgl. feinen diesbezüglichen Briefwechsel mit dem Wohlfahrtsausschuß 
in Rec. Aulard Bb. XVIII bis XXII. 
201) Reynaud, a. a. O. Bd. DI S. 126. 
302) Vgl. Bettingen, a. a. O. S. 186 ff u. Müller, a. a. O. S. 130 ff. 
zos) Vgl. „Bruchstücke aus der geheimen Geschichte der Regierung des Lan⸗ 
des zwischen Rhein und Mosel; von einem neufränkischen Offizier, (im „Re⸗ 
polutionsalmanach“ von 1797) S. 96. — Beer drohte z. B. St. Wendel an, im 
Falle der Weigerung gegen seine Beschlüsse die Stadt wie Kusel in Flammen 
aufgehen zu lassen. 
ꝛs2) Val. Bruchstücke usw. 
ꝛos) Daniels und Bormann, Handb. f. d. in den K. Preuß. Rheinprovinzen 
verkündigten Gesetze, Verordnungen und Regierungsbeschlüsse aus der Zeit 
der Fremdherrschaft. 1848. Bd. VI. Beschl. v. 24. Brumaire 3 (14. Nop. 1794) 
6. 2681. 
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