Full text: Das Saargebiet und die Französische Revolution

nannten Prinzen von Nassau eingesetzten Stadtraths. Allzu lang 
haben Geschöpfe dieses Tyrannen uns abgehalten, unsere Ge— 
sinnung zu äußern, unseren Beifall für die französische Revolution 
an den Jag zu legen. Indem dieselben uns eure weisen Gesetze, 
die wir heimlich bewundern, verheimlicht, haben sie unferen guten 
Willen in Jesseln gehalten“ usw. usw. Am Schlusse der Adresse 
wird zugegeben, daß erst nach einer Eingliederung der Städte in 
den französischen Staat die Arbeit der Klubisten von Erfolg sein 
wird. Firmond schildert uns die Stellungnahme der Bewohner: 
„Den 26. (August) ist jedermann auf das Kathaus bestellt worden, 
daß sich die Bürger sollten unterschreiben französisch zu werden 
und der Cumpenkerl, der Kammacher Eichelberger, hat die Schrift 
vorgelesen, ... und hat sämtliche Stadtgericht sehr beschimpft, i st 
aber von den anderen Bürgern sehr übel weg— 
gekommen'?“s»s) 
Als die Klubisten eine freiwillge Erklärung der Bürger nicht 
erreichen konnten, gingen sie mit Zwangsmaßregeln vor und 
ließen mit Hilfe des französischen Militärs verschiedene Bürger ins 
Gefängnis werfen, „weil sie den Patrioten nicht recht geant— 
wortet haben“. Nachdem der Stadtkommandant die Unmöglichkeit 
erkannt hatte, die ECinwohner zur Unterschrift der Adresse zu be⸗ 
wegen, suchte er einzulenken: „Aachmittags (a4. September) ist die 
ganze Munizipalität nebst beiden Bürgerschaften in die neue 
Kirche zusammengerufen worden und die Klubisten, sechzehn an 
der Zahl, welche die Petition unterschrieben hatten, mußten die 
Munizipalität um Verzeihung bitten vor der ganzen Dersamm-— 
lung der Bürger nebst denen, welche sie haben einfetzen lassen.“ 
Hach diesem Mißerfolg gab sich der Klub noch nicht zufrieden. Er 
hoffte durch eine Neuwahl des Stadtrates eher zu seinem Ziele 
zu kommen; aber auch das war vergebens *). Die Bewohner waren 
aufgebracht über das rücksichtslose Treiben des Klubs. Am 
15. November wurde die französische Trikolore von der refor⸗ 
mierten Kirche, die der Klub zum Tempel der Dernunft gemacht 
hatte, herabgerissen und an dem Freiheitsbaum eine tote Katze 
aufgehängt, „worauf der Kommandant eine scharfe Schrift hat 
anschlagen lassen“ »8). Infolge des hartnäckigen Derhaltens alier 
Einwohner war das Schicksal der wenigen EAnhänger der Repo— 
lution und der Jranzosen entschieden. Anfang Februar 1795 „ist 
auch der fameuse Klub wieder hier eingegangen und hat nichts 
mehr gegolten“ »), Das war das Ende des ersten und zugleich des 
letzten republikanisch-französischen Dereins in Saarbrücken, nach— 
dem er ein halbes Jahr ein kümmerliches Dasein gefristet hatte. 
aso) Firmondsche Chronik, a. a. O. S. 66 
s8) Firmondsche Chronik, a. a. O. S. 68. 
as8) a. a. O. S. 70. 
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