Full text : Vaterlandsliebe

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von Metz. Nachmittags jedoch wurden sämtliche Posten eingezogen, und
schon sah man lange Reihen Gefangener über die Moselbrücke ziehen.
Diese vereinigten sich in einem großen Lager in der Nähe von Marly,
und zu ihrer Bewachung marschierten wir als Reserve auf einen hügel
in der Mitte der Kolonne. LCange standen wir dort in Schlachtordnung,
doch jeder tröstete sich mit dem Gedanken, daß es nun bald in die liebe
heimat gehe; denn, so kalkulierten die Musketiere und Füsiliere, was
wollen die roten hosen nach dem Verluste dieser Festung und der Armee?
-Bei einbrechender Dunkelheit wurden wir abgelöst und bezogen Quartier
in den Trümmern von Peltre. Schrecklich war dieser früher hübsche und
von den Einwohnern von Metz stark besuchte Ort für seinen Verrat gestraft
worden. (Diese Erklärung zirkulierte bei uns.) Jede Nacht war ein Teil
der häuser durch eine preußische Patrouille in Brand gesteckt worden.
Kein haus war unversehrt geblieben. Der Bahnhof, ein prachtvolles
Schloß, die Pfarrkirche, mit ihrem ganzen Mobiliar, ein großes Kloster
nebst Kirche lagen in Schutt und Asche. Rührend war der Anblick, als
die Einwohner am Tage nach der Kapitulation mit ihrer wenigen habe
aus Metz herauskamen, den hunger in den Zügen ausgeprägt, und nun
ihre Heimat so verwüstet fanden. Da irrten sie weinend über die Trümmer
und erkannten nicht mehr die Stelle, wo ihr haus gestanden. Sehr recht
hatten die Franzosen, wenn sie sagten: „... c'est un triste metier
d'être soldat.“
Wir behalfen uns so gut wie möglich. hier und da war noch ein
Winkel, der Obdach gewährte. Ich hatte das Glück, mit den Unteroffizieren
in das vielleicht noch am besten erhaltene Haus gelegt zu werden, was ich
hauptsächlich dem Sergeanten Klein zu verdanken habe, der mich in der
Korporalschaft hatte. In dem hause war noch ein Frauenzimmer, die
deutsch sprach, weshalb wir auch ein leidliches Essen bekamen. Dienst
hatten wir wenig, ausgenommen die unvermeidlichen Appelle, ohne die
unser hauptmann es nie tat, und eine kleine Dorfwache. — Indessen
zog die bunteste Schar Gefangener durch Peltre an uns vorbei: Eine herde,
mehr Vagabunden und Strolchen ähnlich, als Soldaten. Die einen schwer
bepackt mit Zelten, Kochgeschirren und Brot, die andern barfuß, leichtfüßig
mit einem Stock, der eine fröhlich, der andere fluchend und grimmig aus—
sehend. Infanterie, Kavallerie zu Fuß, Artillerie mit und ohne Sporen,
Garde, Hundert-Garde, Zuaven, theatralisch aufgeputzte Marketenderinnen
mit ihrem Säßchen auf dem Rücken, dazwischen preußische Pickelhauben
und husaren, den geladenen Karabiner in der Hand; so einige Tage
hintereinander.
Am letzten Oktober hatten wir noch vor Metz ein schauderhaftes Biwak
zur Bewachung der Gefangenen im Lager bei einem Wetter, das den Welt⸗
untergang befürchten ließ. Der himmel öffnete alle Schleusen, Aolus den ganzen
            
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