Full text : Vaterlandsliebe

und der hafer waren grün, das Brot verschimmelt, der Speck — ein hoher
Berg — diente den Kindern als Spielplatz, dazu schlug der Schmutz und
das Wasser immer über den Knien zusammen. Aber hier empfing uns
die Nachricht von der Kapitulation von Metz, was in uns die freudigsten
hoffnungen weckte. Die Franzosen müssen doch eine riesige Furcht vor
uns gehabt haben, daß sie sich ergaben, ehe wir noch ordentlich da waren.
Andererseits waren wir auch wieder niedergeschlagen, weil es uns wahr⸗
scheinlich nicht mehr vergönnt war, unsern Patriotismus zu betätigen.
Doch wir sollten noch gesättigt werden! In Isny trafen wir das Kegiment.
Bei der Verteilung wurde ich mit Müller“) der 5ten Kompagnie zugeteilt.
Auf der Suche nach dem Regiment über Sturzäcker und schlechte Wege
wurden wir mehrfach mit Granaten von St. Quentin begrüßt. Es wurde
uns eine Scheune angewiesen, die noch ziemlich mit ungedroschenem Gersten⸗
stroh angefüllt war, was dieses Quartier zum besten des ganzen Dorfes
machte. Abends wühlte man sich fast senkrecht ein CLoch in das Stroh,
so daß nur mehr der Kopf aus demselben hervorsah, den Mantel oben
darüber, und man schlief so fest und sorglos trotz der vielen Mäuse, die
einem über hände und Gesicht liefen. Eine Nacht ist mir noch in frischem
Andenken. Wir teilten unser Quartier mit einer Anzahl Train⸗Pferde.
Eine von diesen Mähren mußte der hafer stechen, denn es fiel ihr ein,
sich nachts loszureißen und wie toll in der Scheune herum zu rennen, über
alle teueren häupter der Schläfer hinweg. Die Verwirrung war nun
schrecklich, der Skandal ganz kommunistisch, petroleusisch. Wir in unserm
heldenmute mit einem Ruck aus den Löchern an die Mauer, das gefällte
Gewehr vor uns, und schrien um die Wette: „O, hü“. Dies ließ jedoch
unsern Tänzer ganz kalt, bis Licht gemacht wurde, und es nun gelang, ihn
einzufangen und — durchzuprügeln. Mit der edlen Rochkunst hatte ich
mich nie vertraut gemacht, was ich jetzt bitter empfand. hatte ich endlich
mit dem nassen Holze bei starkem Winde nach einer Stunde Feuer an—
gemacht, ein andrer das dicke Wasser geholt, ein dritter einen alten Stall
abgedeckt und das Holz zugetragen, dann ging es mit Macht an die Erbs⸗
wurst, deren Zubereitung allein mir gelang. Wie sehnte ich mich jetzt nach
den Fleischtöpfen des Ersatz-Bataillons, dem ranzigen Speck, dem
tereotypen hammelfleisch und RKeis, den dünnen Kranken-Süppchen, der
urgelungenen Schokolade und den schlechten Zigarren. Am 29. Oktober,
morgens 4 Uhr, zogen wir auf die letzte Feldwache vor Metz. Wie Schatten
huschten die dunklen Gestalten auf bodenlosem Grunde durch den Hospital⸗
wald auf Feldwache Ur. 5. Des Morgens schossen die Franzosen noch
aus Leibeskräften, und jeder hielt die Nachricht von der Kapitulation für
eine Ente. Deutlich hörte man die französischen Signale und die Glocken

J

Später Dr. med. Müller, langjähriger Arzt in Saarbrücken.
            
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