Full text : Vaterlandsliebe

aus Maria⸗Einsiedeln, sei Maler, habe deutsche Akademien und Rom besucht,
habe zuletzt wieder in Deutschland gearbeitet und sei jetzt als Kriegs—⸗
freiwilliger eingetreten, denn Deutschland liebe er über alles. — Er habe
schon in der Schweiz bei den Schützen gedient, worüber er auch ganz an—
erkennende Zeugnisse aufzuweisen hatte. Daher kam es auch, daß er mit
den Reservisten gleich von Andernach zum mobilen Regiment geschickt wurde;
doch als eines Morgens exerziert wurde, sah man, daß er nicht mit dem
zündnadelgewehr ausgebildet war. So wurde er dann wieder zurück—
geschictt, um „Schwamm zu klopfen“ mit dem Wunsche, daß er bald
wiederkomme. — Auch bei unserm Bataillon waren ihm schnell die Offiziere
zugetan, wie er denn überhaupt sich schnell alle Herzen zu erobern wußte.
Er war ein kleiner, stämmiger Soldat mit freundlichen Zügen, stets munterer
Caune, mit einem merkwürdigen Dialekt, trank gern sein Seidel Bier,
wozu er stets rauchte, spielte ein wenig Klavier, sang einen schönen Alt
(sein Lieblingslied: Napoleons, des Königs von Rom letzte Stunde) — schnitt
recht angenehm auf, poussierte alle Mädchen, exerzierte recht gut, schoß
aber für einen freien Schweizer sehr schlecht. Bald wollte er Zahlmeister
werden, bald Offizier, bald war er Einjähriger, wobei er aber für andere
putzte, bald Musketier. Auch das ist mir immer unerklärlich geblieben,
wer ihm das Geld gab (angeblich ein Konsul in Köln), sowie eine
Bekanntschaft, welche er mit zwei alten Damen aus Neuwied von Rom
her wieder anknüpfte. Sie erkannten ihn vom Fenster aus, trotzdem er
im Drillichanzug war, riefen ihn herauf, mich als seinen Begleiter ebenfalls.
Nun ging ein Gekose, ein Geschnatter über Rom los, daß mir hören und
ssehen verging. Ebenso erkannte ihn ein alter pensionierter General in
Coblenz als seinen Neffen an, worüber Weiß selbst sein Befremden bei uns
aussprach, sich aber dennoch diesen Irrtum zunutzen machte. Bei diesem
General a. D. wohnte er auch. Mittlerweile waren wir am 11. September
nach Coblenz marschiert, wo das „Schwämmchen“ denn endlich blieb.
Während dieser Zeit wohnte ich mit Müller, Möllinger, Unebel und
Reusch in der Restauration Olbertz zwischen Ehrenbreitstein und Pfaffendorf.
Die Aussicht auf den Rhein, die Anlagen, die Stadt selbst und das Schloß
ist unbeschreiblich schön. Die Kegelbahn sah häufig eine größere Anzahl
unserer Kameraden versammelt. Überhaupt war hier alles so herrlich,
so gemütlich, daß ich diese Tage zu den schönsten meines Lebens rechne.
Nur die 350 Treppen, die auf den Asterstein, wo unsere Kompagnie lag,
führen, und die ich täglich mindestens zweimal besteigen mußte, verursachen
mir noch jetzt bei dem Gedanken daran Kniewasser. Hatte nun noch gar
der Kaffee etwas lange auf sich warten lassen, oder hatten wir uns ver⸗
schlafen, dann flogen wir die Treppen hinauf, immer drei Stufen über—⸗
springend, sodaß wir manchmal keinen Atem hatten, uns zur Stelle zu
melden. Unser hauptdienst war Wache. Die gefangenen Franzosen erfor⸗
            
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