am Samariterwerk. Neben den Dienstmännern sah man auch unsere
Gymnasiasten, Verwundete vom Kampfplatze zurückbringen. Wie Carl
Köchling und sein Freund Robert Kliever das Schlachtfeld durchstreiften
und verwundete Soldaten vom Schlachtfelde wegtrugen, indem sie sich eines
Hewehrs als Tragbare bedienten und der Verwundeten Arme über ihre
Sschultern legten, hat der berühmte Schlachtenmaler selbst in anschaulichster
Weise geschildert. Es war ein rührendes Bild, alle diese jugendlichen
Gestalten zu sehen, wie sie die eigene Sicherheit außer Echt ließen und sich
in den Kugelregen wagten. hat doch herr v. Konarski, der als Leutnant
bei den Vierzigern am 2. August von den Franzosen schwer verwundet
war, in einem Artikel „Vor vierzig Jahren“ (Saarbrücker Zeitung vom
6. August 1910) noch mit Vergnügen unserer jungen Vaterlandsverteidiger
gedacht. Dort sagt er: „Was mir auch noch rechte Freude machte, war
der Besuch im Bürgerhospital, wo ich lag, von einigen unserer getreuen
Begleiter auf den Rekognoszierungs-Patrouillen, nämlich der Saarbrücker
Bymnasiasten. Diese hatten, auch als die 40er und 7. Ulanen am 2. HAugust
abgezogen waren, ihre Streifzüge auf eigene Faust fortgesetzt und erzählten
uns nun stolz ihre teilweise sehr waghalsigen Abenteuer, die sie bis in die
unmittelbarste Nähe des französischen Cagers unternahmen.“
In den ersten Tagen nach dem 6., fährt Herr Geheimrat Brandt fort,
war bei uns im hause viel zu helfen, da die Schulzimmer unter unserer
Wohnung zum Cazarett eingerichtet waren, hauptsächlich aber war ich
während dieser Zeit in der ebenfalls zum Lazarett benutzten Turnhalle
(zwischen der Kaserne am CLudwigskirch-Platz und der großen Volksschule)
damit beschäftigt, für deutsche wie französische Verwundete Nachrichten
an ihre Angehörigen mittelst der kaum erst „erfundenen“ Postkarte zu
schreiben; an das damals wohl verbrochene Französisch denke ich jetzt noch
mit Grauen. (Etwa nach 14 Tagen meldeten, wie ich hier, wenn auch
nicht zur Sache gehörig, einschalten möchte, Dörmer*) und ich uns auf
öffentliche Aufforderung der Eisenbahndirektion als Hilfstelegraphisten, wir
wurden einige Zeit eingedrillt und dann im Telegraphenbureau der Eisen⸗
bahnstation St. Johann bis zum Wiederbeginn des Unterrichts verwendet.)
Der Telegraphenbetrieb war überhaupt nicht unterbrochen worden. Man
nimmt an, daß die Franzosen mit ihrem Bombardement auf den Bahnhof
auch den Telegraphen hatten zerstören wollen, doch sie beschossen irrtüm⸗
licher Weise gerade den entgegengesetzten Flügel. Die wackern Telegraphisten
arbeiteten ruhig weiter, so daß sie in der Frühe des 5. August die frohe
Siegeskunde aufnehmen konnten: „Glänzender, aber blutiger Sieg des
Kronprinzen bei Weißenburg!“
) Rechtsanwalt Dörmer ist in den besten Jahren plötzlich gestorben.