Full text : Vaterlandsliebe

Ich ging über die alte Brücke durch die Fürstenstraße nach Hause.
sAls ich an Dr. Mügel's GBierbrauer) Ecke der Bahnhofstraße vorbeikam, stand
das große hoftor offen und ein mit zwei Pferden bespannter großer
Wagen hielt da mit Fässern und Stroh beladen. Eben kam Dr. Mügel
aus dem hausgang in den hof, und ich fragte ihn, warum die Fuhre
nicht nach dem Spicherer Berg fahre. Er sagte mir, den Knecht hätte er
erst seit acht Tagen, und der wüßte keinen Weg; da sagte ich ihm, ich
käme eben von da und würde sofort mit dem Knechte fahren und den Weg
zeigen. Es war gegen 9 Uhr abends, und ich ging nur nach hause, Bahn—⸗
hofstraße 5, um das Geschäft schließen zu lassen, wo meine zwei jungen
Ceute (Kommis) und zwei jüngere Schwestern allein waren. Mit dem Rnecht
machte ich mich sofort auf den Weg nach der Bellevue, da wir aber nicht
mehr an dem Feldweg durchkommen konnten, vor lauter Militär, so fuhren
wir bis an die alte goldene Bremm, den Feldweg vor dem Spicherer⸗
Bergweg entlang, bis wir unten an den Spicherer Berg gegen 11 Uhr
ankamen. Da sah es schrecklich aus; hilfsbereite Hhände waren genug da,
größer aber war die Zahl der Verwundeten, die fortgesetzt nach dem Ver⸗
bandsplatz gebracht wurden. Das Wasser wurde ich dann auch sehr bald
los. Ich breitete nun das Stroh in dem Wagen aus, um Verwundete mit—⸗
nehmen zu können. Mit zehn verwundeten Soldaten traten wir sodann
den heimweg an; es war aber nicht leicht, vorwärts zu kommen. Überall
waren Laternen auf Stangen angebracht, welche den Truppen zur Orien—
tierung dienten.
Es war 2 Uhr nachts, als ich an der Bellevue ankam. hier aber
kam ich nicht mehr weiter, weil die Kavallerie und Artillerie ihre Pferde
die Metzerstraße hinunterführte zu dem Brunnen am hauptzollamt, um sie
dort zu tränken. KURuf der rechten Seite der Straße wurden sie hin, auf
der linken zurückgeführt.“
Wir haben diese Begebenheiten hier aus der Schlacht ausführlich wieder⸗
gegeben, um zu zeigen, daß dieselben verwegenen Jungen, die sich im Vor⸗
postendienst jeder Gefahr aussetzten, gleich den andern Bewohnern der
Städte auch während der Schlacht durch augenscheinliche Gefahr sich nicht
von der Erfüllung der Samariterpflicht abhalten ließen, und gleich den
andern Bürgern von St. Johann, Saarbrücken und St. Arnual sich zum
bordern Verbandsplatze vordrängten und in der Betätigung christlicher
Nächstenliebe wetteiferten. hier galt es, denen zu helfen, die für das
Daterland ihr Blut verspritzt hatten, und zur Linderung ihrer Qualen alles
zu tun, was Menschenhand vermag. Männer, Frauen und Mädchen setzten
sich mutig den größten Gefahren aus, um unsere Soldaten mit Wasser,
Kaffee, Wein oder Limonade zu laben, wie Herr v. Konarski in seinen im
„Daheim“ erschienenen und vom Professor Röchling illustrierten „Erleb⸗
nissen“ rühmend hervorhebt. Also Alle, Hoch und Niedrig beteiligten sich
            
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