Full text : Vaterlandsliebe

wie groß war sein Jubel, als sein geliebtes Straßburg wieder deutsch
ward und er seine treuen Freunde dort wohlbehalten wußte! Im Spät—
herbst 1870 besuchte er auch einen alten Freund, Professor Mall in Sablon
bei Metz, wo er noch viele Spuren der Zerstörung fand. Stets hat der
Vater und der Lehrer die Erinnerung dieser großen Zeit in seinen Kindern
und Schülerinnen wach zu halten gewußt: an jedem 6. August oder einem
der vorhergehenden Tage begab sich die Schule in feierlichem Zuge nach
dem in seiner Art einzigen, zwischen sanften Höhen malerisch eingebetteten
„Ehrental“, um dort unter Gesang Kränze und Sträuße auf die Gräber
der Tapferen zu legen.
Bei dieser Gelegenheit erlaubt sich der Verfasser dieses Werkchens
einzuschalten, daß der 6. Hugust in gleicher Weise von den beiden König⸗
lichen Anstalten immer gefeiert wurde. Gewöhnlich fand die Feier dann
auf dem Rotenberg statt, am Fuße des Denkmals der Vierziger. Einer
der herren Oberlehrer hielt dann angesichts der Gräber der Gefallenen
eine ergreifende Rede, in welcher er den Schülern die auf dem Schlacht⸗
felde Gefallenen, diese edelsten der Nation als herrliche Vorbilder vorführte
und daran die Ermahnung knüpfte, daß sie wie diese stets den hohen Geist
inniger Vaterlandsliebe entwickeln sollten, der Schweres trug und Großes
schuf. Nachdem der Sängerchor ein Lied gesungen hatte, trug unter
anderm einer der älteren Schüler gewöhnlich ein entsprechendes, selbst⸗
verfaßtes Gedicht vor. Von diesen verdient das eines unsrer fleißigsten
Schüler, des Oberrealschulabiturienten Gressung hier erwähnt zu werden:
Am 6. August 1870.
Der Tag war heiß, der Kampf war schwer,
Da liegen sie auf der Erden;
Sso wie sie gefallen, die Kreuz und die Quer,
Da liegen sie, stumme Gefährten.
Und die Sonne sinkt, milder Dämmerschein
Svenkt leise sich auf die Stätte
Und hüllet in duftigen Schleier ein
Der Toten blutschwangeres Bette.
Und langsam bricht die Nacht herein
Und schwarz bedeckt sich der Boden,
Nichts regt sich weit, nur der Mondenschein
Blickt traurig herab auf die Toten.

Da sieh, sieh eine Frauengestalt,
Don mildem Glanz umflossen,
zu diesem schwebt sie, zu jenem bald
Der schlummernden Todesgenossen.
            
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