Full text : Vaterlandsliebe

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Cebensmittel waren sehr im Preise gestiegen; wie froh war man, wenn
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erobern! Dann kam die Selbsteinquartierung vieler auswärtiger Freunde,
die zum Zweck der Krankenpflege und der Seelsorge dem heere nachfolgten,
so Direktor Engelbert mit seinen Diakonen aus Duisburg. Manchmal
läutete es noch spät in der Nacht; hungrig und von der langen Eisenbahn⸗
fahrt erschöpft, erschienen späte Gäste, einmal auch zur großen Freude der
Eltern der älteste Sohn, der als Student der Theologie sich dem Bonner
akademischen Sanitätskorps angeschlossen hatte und als Krankenpfleger die
Schlachten vor Metz mitmachte.) Viele Umstände konnten in dieser Zeit
mit den Gästen natürlich nicht gemacht werden; nach einer kräftigen
Suppe waren sie froh, die müden Glieder auf dem in aller Eile auf dem
Fußboden hergerichteten Cager ausstrecken zu können.
Bei dem großen Freundeskreis, dessen Vater auch in Norddeutschland
sich erfreute, sah er sich genötigt, in seinem Hause sozusagen ein Erkundigungs⸗
büro einzurichten. Wie viele Briefe oder Telegramme liefen ein, welche
Auskunft über Verwundete und Tote verlangten, ein Aufschluß, der oft
unmöglich zu erteilen war, da die Verwundeten nach allen Kichtungen hin
weiter gebracht wurden, damit Schwerverwundete, die von Metz kamen,
an ihre Stelle rücken konnten. Manche kamen auch persönlich, oft aus
weiter Ferne, das Grab ihrer Lieben ausfindig zu machen, und baten um
KRat und hilfe. Und so schuf die Not des Krieges und die unermüdliche
hilfsbereitschaft des Vaters auch manche neue dauernde Beziehung; noch
jahrelang legten wir an jedem 6. August und an jedem Totenfest im
Auftrage einer Dame aus dem Osten des Vaterlandes einen Kranz auf
das Grab ihres still Verlobten, eines hauptmanns, der auf dem St. Johanner
Friedhofe ruht. „Als ich einmal“, so heißt es in den Erlebnissen meines
Vaters, „so in ernsten Gedanken bei der untergehenden Abendsonne an einem
solchen Grabe stand, wurde ich von meiner Begleitung an das schöne englische
Sprichwort erinnert: The dark cloud has a silverlining — die dunkle
Wolke hat einen Silberrand.“ Denn auch in schwerem Leid wußte der
Vater mit zartem Sinn den tröstenden Gedanken aufzufinden und zu seinem
inneren Aufbau zu verwerten. „Und während wir“, so schreibt er ebenda,
„die Nachrichten vom entfernten Kriegsschauplatz durch die Zeitungen
erhalten, vernehmen wir mit unseren Ohren die Stöße der Kanonen vom
Bombardement der Festung Metz und fragen unruhig nach dem Schicksal
Straßburgs. Wenn wir aber am Abend anstimmen: „Auch euch, ihr meine
Lieben, soll heute nicht betrüben kein Unfall noch Gefahr“ — so gedenken
wir auch der vielen teuern Freunde, die wir in „Feindesland“ haben, und
denen wir uns im Glauben und in der Liebe verbunden wissen.“ Und
N Der jetzige Universitätsprofessor Dr. S. Brandt in Heidelberg.
            
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