Ja, gekommen waren sie endlich, unsere sehnlichst erwarteten Vater⸗
landsverteidiger! Um 2 Uhr nachmittags marschierten die ersten vorüber,
— und darauf folgte Regiment auf Regiment mit klingendem Spiel in
ununterbrochener RKeihenfolge. Mit lautem hurra wird jede einzelne
Kompagnie begrüßt. Noch lebhaft steht mir vor Augen, schreibt herr
Geheimrat Brandt hierzu, wie unser Direktor Hollenberg den von St. Johann
her über die neue Brücke am Gymnasium vorbei nach der Metzerstraße
vorgehenden Infanterie-Kolonnen zujubelte. Die Straße vom (alten)
Gymnasium nach der neuen Brücke hin war noch nicht lange fertig und
besonders in dem oberen Teil noch unbebaut, nicht weit vom Gymnasium
und der Direktorwohnung lag ein größerer Haufen Schutt und Kehricht
neben der Straße. Auf ihm hatte herr hollenberg trotz seiner ohnehin
erheblichen Körperlänge Aufstellung genommen, um den Truppen zuzu—⸗
jubeln. Die nicht ganz einwandfreie Beschaffenheit seines erhöhten Stand⸗
punktes war ihm wohl in der Begeisterung gar nicht aufgefallen.
heiß brannte die Augustsonne mit glühenden Strahlen; die Truppen
waren erhitzt und durstig von dem langen Marsch. Und als ob nur ein
Wille die Masse beseelte, eilt Reich und Arm, Hoch und Niedrig herbei,
um die Soldaten zu erquicken. Allen voran unsre Gymnasiasten. hier
war das Feld ihrer Tätigkeit. Sie drängten sich in die Marschkolonne
und reichten Wasser, meist kalten Kaffee, das beste durstlöschende Getränk.
sie laufen den Reihen entlang, um die Gefäße zurückzunehmen. Sür
manchen Soldaten war es sein letzter Trunk, denn schon um 5 Uhr nach⸗
mittags wurden die ersten Verwundeten in die Stadt gebracht. Die Spitzen
der 5. und 16. Division trafen also noch rechtzeitig ein, auch General von
Göben, darauf von Zastrow. Mit Hurra gingen die Truppen in das Tal
hinab und die höhen hinauf. Der Kampf entspann sich mit erneuerter
Wut, und bald gingen einige Trupps gefangener Franzosen in arg lieder⸗
lichem Zustande an uns vorbei. Der Gifertwald wurde wieder genommen,
und um seinen Besitz und den des roten Berges hart gerungen. Dort hatte
sich nach dem Tode des Generals von Francçois die Sache immer ungünstiger
gestaltet, die Munition fehlte, und nur mit äußerster Anstrengung konnte
man den äußersten Bergrand behaupten. Von zwei befestigten Linien aus,
die höher lagen, bestrich der Feind die Stellung. Seine Infanterie konnte
er durch Batterien wirksam unterstützen, die vorteilhaft auf den höhen
aufgestellt waren.
Der nahe Wald bot dazu den Franzosen einen sichern Rückhalt, und
von dem besetzten Gifertwald aus konnten sie die Preußen, so oft diese
auf der schmalen Bergzunge einen Vorstoß wagten, kräftig in die Seite
fassen. Um diesen Vorstoß aber dennoch zu versuchen, erwarteten die
wackern Füsiliere nur das Eintreffen der ersten Verstärkung. Diese traf