Full text : Vaterlandsliebe

Jäger wurden nach kurzem Widerstande fortgetrieben und wichen hinter
eine höher liegende Bodenwelle zurück. Auf engem Raum und unter dem
heftigsten Feuer sammelten sich alsbald die Mannschaften um ihren Führer
zu erneutem Vorgehen, als von der Seite des Gifertwaldes her ein starker
Gegenstoß französischer Infanterie erfolgte.“
Da erreichte aber auch die 9. Kompagnie des Regiments NUr. 39, an⸗
gefeuert durch den Zuruf des Generals von Frangois, den höhenrand. Der
General setzte sich selbst an ihre Spitze und mit den Worten: „Vorwärts,
meine braven Neununddreißiger!“ führte er mit hocherhobenem Degen, den
schlagenden Tambour neben sich, die kleine Schar dem überlegenen Feinde
entgegen.

Von 5 Rugeln durchbohrt sank der tapfere General zu Boden. Das
überwältigende Schnellfeuer der Franzosen machte ein weiteres Vorschreiten
unmöglich; aber unerschüttert verharrten die Überreste der 5. Kompagnie
bei ihrem sterbenden Führer. General von Francçois verschied nach wenigen
Minuten mit den Worten: „Es ist doch ein schöner Tod auf dem Schlacht⸗
felde; ich sterbe gerne, da ich sehe, daß das Gefecht vorwärts geht.“
Doch war man noch weit von einem Siege entfernt. Im Gifert⸗
walde und am Stieringerwald ging es schwer her. Die Mannschaften
waren erschöpft, die Keihen der Offiziere gelichtet, weder Unterstützung
noch Munitionsersatz war in der Nähe. So mußte man leider im Gifert⸗
walde rückwärts. Das Auftreten frischer Streitkräfte war durchaus nötig,
um die fast ẽ*. Meile auseinandergezogene 14. Division in ihrem ungleichen
Kampfe gegen überlegene Streitkräfte zu unterstützen.
Um diese Zeit war es, als wir als Zuschauer auf dem Cxerzierplatze
erschienen. Vor uns lag ein weites, buntes Bild. Links und rechts und
in der Mitte, wohin man sah und hörte, Schlacht und Kanonendonner und
das Rnattern der Mitrailleusen.
Das Schnellfeuer und die Salven nahmen manchmal so zu, daß man
meinte, die Leute müßten wie Fliegen fallen. Die höhen und die Wald—
rücken waren überall mit aufsteigenden weißen Rauchwölkchen eingefaßt,
und im hintergrunde sah man es zuweilen wie lange Feuerstrahlen über
die Talebene fahren; hinterher hörte man dann den dumpfen Kanonen⸗
donner. Am unheimlichsten war der zischende, vibrierende Ton der Granaten.
Im Tal ging es lebhaft zu; in Karriere sprengten Keiter hin und her,
Botschaft tragend; die Kavallerieregimenter änderten von Zeit zu Zeit
ihren Standort, um den Granaten aus dem Wege zu gehen. Menschen
aller Art waren beschäftigt, Verwundete aufzulesen, und im Vordergrunde
war eine Verbandsstätte. In der Nähe stand die Musik eines Regiments,
betrübt und verzagt, weil die Schlacht zu stocken, ja rückwärts zu gehen
schien. Da kam hilfe.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.