Full text : Vaterlandsliebe

den langen Kohlenwagen ragten oben die Pickelhauben in Masse heraus.
Nur dies und der in den Bergen hin und her rollende Donner der
Heschütze erinnerte an die in der Nähe wütende Schlacht, sonst sah es in
den Dörfern so friedlich aus wie immer. Die Candleute arbeiteten auf
ihren Feldern, die Bergleute kamen arbeitgeschwärzt aus den Kohlengruben,
oder standen wartend an den Schichtmeistereien, um ihren Wochenlohn zu
empfangen; die Dampfmaschinen auf den Sechen stießen, wie immer, in
Zzwischenräumen ihren Dampf aus, und Frauen trugen in Körben den
Männern das Essen zu. Doch das ganze Bild änderte sich auf einmal, als
wir um die erste Straßenecke von St. Johann bogen. Dort sahen wir
das erste Bild des Schreckens: einen Leiterwagen voll sterbender und
verwundeter Soldaten, die im Schmerze stöhnten und sich wanden. Ein
blutiger Anblich: Tote, denen der Kopf machtlos herabhing, sterbende,
im Schmerz sich windende Verwundete, denen jede Erschütterung des
Wagens neue Schmerzenslaute entlockte. An allen häusern waren rote
Fahnen, zum Seichen, daß sie Verwundete aufzunehmen bereit waren;
ach, gar bald waren die beiden Städte mit Verwundeten angefüllt.
In Privathäusern, Schulen, Kirchen und Cazaretten lagen sie reihen—
weise. In dem hause des Sanitätsrats Swicke lagen allein an 70
auf Betten, Matratzen, Sofas, Teppichen und Stroh. In der ersten Nacht
sind eine ganze Anzahl im hause verschieden, und noch nach Wochen ging
aus einzelnen Zimmern der Blutgeruch nicht weg, bis man die Tapeten
abkratzte.
In den Städten war es wie ein aufgescheuchter Bienenschwarm, die
Ceute liefen verstört hin und her, Verwundete schleppten sich aus der Schlacht
zurück oder wurden getragen und gefahren. Truppen aller Gattungen
kamen an, Generale sausten mit ihren Stäben an uns vorbei. Die neu
ankommenden Truppen zogen im Caufschritt vorüber, durch die Städte und
auf den verschiedenen Zugängen auf die höhen.
Der Weg nach dem Exerzierplatze, von dem man das Schlachtfeld
übersah, und von dem aus CLulu einige Tage vorher im Siegesrausch eine
Kanone auf die Schwesterstädte Saarbrücken und St. Johann gefeuert haben
sollte, war mit Blutlachen befleckt. Wir eilten den Weg hinauf, und an
uns vorbei ritt in vollem Galopp General von Zastrow mit seinem Stab,
hinterher stets neue Regimenter. Sobald diese auf der höhe waren, ging
es mit hurra in die wogende Schlacht. Auf der einen Seite der Chaussee
gingen die Truppen hinauf, auf der andern kamen die Verwundeten
herab. Viele führten sich gegenseitig; so sind mir zwei noch in der Er—
innerung. Dem einen hing der rechte Backen in Fetzen herunter, dem
andern war der rechte Arm zerschmettert. Ein Offizier, dem die Brust
durchschossen war, mußte getragen werden, doch rief er den kommenden
Truppen noch mutig entgegen: hurra, hurra! Denen haben wir's einmal
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.