Full text : Vaterlandsliebe

ganzen Trupp in wilder Slucht vor sich her trieb. Erst allmählich wagten
sich die Versprengten wieder hervor, begrüßt von dem Gelächter der Straßen⸗
jugend, in das sie selbst zuletzt einstimmten. Auch an andern Stellen zeigten
die braunschweigischen husaren ihren Mut. An verschiedenen Stellen der
Umgegend schwammen sie mit ihren Pferden durch die Saar ans linke
Ufer, ritten eiligst zur Rekognoszierung durch die Dörfer und kehrten im
großen Bogen zurück. So kamen am 6. HRugust mehrere husaren durch das
französische Dorf Sch. Wie sich später ergab, stand ein Einwohner des
Dorfes in Verbindung mit der nächsten französischen Mannschaft. Mit den
Kirchenglocken gab er ein Zeichen, am Waldessaume erschienen die erschreckten
Kothosen und sandten einen Rugelregen hinüber; die husaren verritten sich
in einer Wiese, wo ein Pallisadenzaun ihnen den Weg versperrte; und so
fielen zwei, der dritte entkam.
In den Tagen nach dem 2. August bekam man wenig preußisches
Militär zu sehen. Die 4AOer hatten den Schauplatz verlassen und waren
durch die Wälder nach dem Köllertal abgegangen. Nur Kavallerie kam
an und patrouillierte das rechte Saarufer ab. Wenn man aus den an
diesem Ufer gelegenen Wäldern heraustritt, hat man das weite Saartal
vor sich; in der Mitte fließt die Saar, an deren Seite links Saarbrücken,
rechts St. Johann liegt. Gleich jenseits hinter Saarbrücken steigen, die
saar begleitend, die höhen auf. Huf diesen sah man, den Abhängen an—
geschmiegt, die weißen französischen SZeltlager, aus denen heraus man durch
die Entfernung gedämpft das Trommeln und Lärmen hören konnte.
Wir waren am 2. August mit jenem versprengten häuflein der 40 er
zurückgekehrt, hatten ihnen in einem nahen Dorfe eine Erquickung geben
lassen und ihre aufgeregten Gespräche mit angehört. Ein lebhafter Unter⸗
offizier benutzte die Gelegenheit, ein paar zärtliche Zeilen durch uns an
seine Dulzinea, die er im Saarbrücker Quartier rasch sich erobert, gelangen
zu lassen. Die nächsten Tage vergingen uns in banger Erwartung, bis
die freudige Nachricht von dem Siege bei Weißenburg die hoffnungen
höher stimmte.
sAm 6. August, es war ein Sonnabend, kamen wieder Truppen in
Sicht. Am Vormittag quartierte sich Infanterie und Kavallerie ein. Da,
als wir eben in Sulzbach, wo ich zu Besuch war, am Mittagstisch saßen,
dem einquartierten Offizier zuliebe früher als gewöhnlich, erscholl Kanonen⸗
donner von Saarbrücken her. Eilig stiegen wir auf die Höhe, an die das
Dorf sich lehnt, konnten aber nur den in der Ferne aufsteigenden Pulver⸗
dampf sehen. Signale alarmierten die Truppen, und in großer Eile gingen
sie ab. Wir aßen hastig unser Mahl zu Ende und eilten dann durch Sulzbach
 und Dudweiler in der Richtung nach St. Johann und Saarbrücken.
Auf der Chaussee zog Artillerie in Karriere an uns vorüber, und rechts
sausten die von Neunkirchen herankommenden Cisenbahnzüge vorbei. Rus
            
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