Full text : Vaterlandsliebe

fanden wir einen ängstlich daherirrenden Juden, der uns warnte, weiter
zu gehen. Es fielen Granaten in den Wald. Kurz darauf stießen wir auf
einige versprengte Soldaten vom vierzigsten Kegiment, von welchem vier
Aompagnien in und bei Saarbrücken lagen. Zwei Zeitungsreporter, einer
ein Engländer, die im modischen Touristenanzug mit zierlicher Reisetasche
auf dem Rücken sich zwischen den stämmigen Soldaten gar komisch aus⸗
nahmen, versicherten, sie hätten selbst bei Königgrätz solch' Granatfeuer nicht
erlebt; sie waren unglücklicherweise gerade unter eine Eisenbahnbrücke ge⸗
raten, welche die Franzosen auf's Cifrigste beschossen. Die Soldaten,
von denen einige vor Erschöpfung und Anstrengung bleich, andere
purpurrot, aber alle pulvergeschwärzt und von Erde beschmutzt waren,
zeigten, obwohl sie sich hatten zurückziehen müssen, keine Spur von Ent—
mutigung. Sie waren vielmehr wütend, daß sie der Übermacht hatten
weichen müssen, und ballten grimmig ihre Säuste, Kache drohend. Was
hätten auch 4 Kompagnien Infanterie und die tapferen 2 Schwadronen
der 7. Ulanen gegen das ganze Korps des Generals Frossard machen
können? Augenzeugen erzählten mir später, mit welcher Tapferkeit und
Zähigkeit die Preußen sich geschlagen. Unwillig und langsam, Schritt vor
Schritt, von Ecke zu Ecke zurückweichend, waren die 40 er aus ihren
Stellungen auf den höhen über Saarbrücken in die Stadt und durch die
Stadt gewichen, jede Gelegenheit, auch in den Straßen, benutzend, den
Franzosen noch eins auf das SFell zu brennen. Und auch diese kamen,
nachdem ihr erster ungestümer Angriff sich an deutscher Widerstandskraft
bald gebrochen, nur langsam und zögernd in die Stadt, vorsichtig um jede
Ccke erst herumlugend. Oben in den Gärten über Saarbrücken hatten sie
—
loͤcher, die sie in die Gartentüren gemacht, in die von oben her offen
liegenden Straßen und auf die Saar-Brücken herab geschossen.
Die französischen Kugeln waren über Saarbrücken hinweg geflogen,
wirklichen Schaden hatten nur die äußersten Häuser von St. Johann und
der dort liegende Bahnhof genommen. Die Flammen, in die man überall
in Deutschland ganz Saarbrücken aufgegangen wähnte, waren bald erstickt
oder nur wenig ausgebrochen.
Am Abend des Tages noch durchzogen die Franzosen, Fourage suchend,
die Stadt. Man konnte auch vielfach die Söhne der großen Nation be—
trunken, hungrig und schmutzig herumziehen sehen, als lebende Beweise für
Verpflegung und Disziplin der französischen Armee. Die vor der Stadt
liegenden Bierkeller wurden geplündert und ein Hofgut in Brand gesteckt.
Nach St. Johann über die Brücke wagte man sich kaum. Dagegen machten
die deutschen Truppen vielfach kühne Streifzüge durch die besetzte Stadt.
Noch erzählen die Bürger gerne, wie ein Braunschweiger husar im Karriere
über die Saarbrücke kam, mehrere Franzosen zusammenritt und einen
            
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