Full text : Vaterlandsliebe

Saarbrücken und der 6. August 1870.
(Schlacht bei Spichern.)
Von Gymnasialdirektor Dr. Fauth-hHörter.
Wir geben nun einem größeren Aufsatze Raum, den mir herr Direktor
Fauth kurz vor seinem (bald darauf erfolgten) Hinscheiden am 18. Juni 1905
übersandte.
Es ist bereits schon gesagt worden, daß Dr. Sauth, Schüler, Abiturient
und später im Jahre 1870 hülfslehrer am Gymnasium zu Saarbrücken war.
Wer das Glück hatte, Dr. Fauth vom Schulhof und von den Spaziergängen
gekannt zu haben, der wird zugeben müssen, daß er ein Mann nach dem
herzen deutscher Jugend war; daß er aber auch ein hervorragender Pädagoge
war, werden die meisten seiner Schüler bestätigen können. Er war aber
nicht bloß Schulmann, sondern auch angenehmer Erzähler. Selbst da, wo es sich
um Kriegsgeschichten handelte, verstand er es, die moralischen und seelischen
Bedingungen des Erfolges, welche Führer und Truppen beeinflussen, die
Empfindungen, die den einzelnen Mann im Kriege bewegen, meisterhaft
und in interessanter Weise und vor allem wahrheitsgetreu darzustellen. Seine
Schilderung der Schlacht bei Spichern, der Dr. Fauth als Augenzeuge
beiwohnte, ist in dieser Beziehung einzig in ihrer Art, und kann daher
immer wieder gelesen werden. Wir geben dieselbe deshalb wörtlich wieder:
Beim Ausbruch des Krieges im Sommer 1870, schreibt er, war die
Gesinnung der Saarbrücker eine durchaus patriotische. Man hoffte sicher
auf den Rückfall von Elsaß⸗Cothringen an Deutschland. Allerhand Reibereien
kamen an der Grenze vor, und die Franzosen erlaubten sich Gewaltmaß—
regeln gegen friedliche Bürger, die noch in aller Eile zur Ordnung ihrer
Angelegenheiten französischen Boden hatten betreten müssen.
Auch ich hatte noch in Geschwindigkeit einem Vetter, der hart an der
Grenze in Lothringen wohnte, einen Abschiedsbesuch gemacht. Da ich den
Cinwohnern des Dörfchens wohl bekannt war, ließ man mich auch friedlich
ziehen. Als ich 14 Tage später, nach der Schlacht bei Spichern, wieder den
Waldpfad in das Dörfchen wanderte, fand ich ihn ganz überwuchert, kein
menschlicher Fuß hatte indessen den sonst vielbegangenen Pfad betreten,
In banger Erwartung verbrachte ich die nächsten Tage nach der Kriegs—
erklärung bei Verwandten in Sulzbach, das zwei Stunden von Saar⸗
brücken, an der Bahn von Saarbrücken nach Neunkirchen liegt.
Plötzlich wurden wir am 2. August morgens durch Kanonenschüsse.
die von Saarbrücken her erschallten, erschreckt. Eilig liefen wir auf den
hinter Sulzbach gelegenen Berg und von da, immer im Walde bleibend,
auf der alten verlassenen Kaiserstraße weiter, die sich auf den Höhen im
Walde nach Saarbrücken hinzieht. Als wir in die Nähe von St. Johann
kamen, der an der rechten Saarseite gelegenen Schwesterstadt Saarbrückens,
            
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