Pferde, an der Spitze etwa einer Kompagnie Infanterie (nach meiner
Erinnerung zufällig ebenfalls 40er), durch die Obergasse nach dem Schloß⸗
platze. Der erste und einzige „Siegeszug“ der Franzosen in diesem Kriege.
Voraus reiten 2 Chasseurs, die Chassepots auf den Oberschenkel gestützt.
Auf dem Schloßplatze wird vor der Bürgermeisterei halt gemacht. Die
Franzosen bleiben unter Gewehr. Swei Offiziere, mit Kevolvern bewaffnet,
treten in die Bürgermeisterei ein, holen den kleinen, grauen, ehrwürdigen
Bürgermeister Schmidtborn heraus und führen ihn dem General Frossard
vor. Von Schmidtborn mußte Frossard zu seinem Erstaunen hören, daß
es nicht mehr als drei Kompagnien Infanterie und eine Schwadron husaren
zgewesen waren, die ihm gegenüberstanden, und die ihm so empfindliche
Verluste verursacht hatten.
Später zogen die Franzosen in Trupps in den Straßen von Saar—⸗
brücken umher. Man sah einzelne Franzosen, die auf ihrem aufgepflanzten
Seitengewehr zwei oder drei CLaib Brot aufgespießt hatten, Saarbrücker
Gebäck. Ob es gegen Bezahlung erstanden war, oder auf andere Weise,
wurde nicht bekannt. Andere trugen einen hahn oder ein huhn als eigen⸗
artige „Troddel“ am Seitengewehr. Auf mich machten diese Krieger der
„grande nation“ einen unvorteilhaften, wilden, räuberischen Eindruck.
Doch für sie war es ja Feindesland.
Für uns Gymnasiasten war es eine nie dagewesene Gelegenheit, unser
bischen Tertianer-Französisch im Gespräch mit den Franzosen an den
Mann zu bringen. Einer zeigt und erklärt uns sein Chassepot-Gewehr.
„Aujour d'hui nous avons pris la forteresse de Sarrebruck, et bientôt
nous serons à Berlin !“
Einer meiner Klassen-Kameraden antwortete ihm: „Qui vivra, verra“
eine Phrase, die wir gerade kurz zuvor im französischen Unterricht
„gehabt‘ hatten. Abends verschwanden alle Franzosen aus Saarbrücken
und begaben sich in ihr nahes Feldlager. In der Nacht weckte uns der
Donner der französischen Geschütze. Der Saarbrücker Bahnhof (bekanntlich in
St. Johann gelegen) wird von ihnen in Brand geschossen; Leuchtkugeln, von
den Franzosen nach der preußischen Stellung geworfen, erhellen auf ihrem
Flug mein Simmer.
Die Saar bildete die Grenze zwischen den feindlichen Vorposten. Nach
Sst. Johann hinüber wagten die Franzosen sich nicht. Die Patrouillen
gingen nur, oftmals unter Führung eines Offiziers, bis an den Brücken⸗
kopf, von dort nach St. Johann auslugend; dann zogen sie sich wieder zurück.