Professors Dr. Ley, unseres damaligen Ordinarius in Tertia. Dieselbe
wurde gleich den anderen Skizzen in der Klasse während des Unterrichts
angefertigt. Jedesmal bei Annäherung Ley's flogen sie von der Schulbank
herunter, um wieder aufgehoben zu werden. Das Porträt von Professor
Dr. Ley ist nicht mit dem Namen Röchling gezeichnet, sondern mit „Galle“,
Karl Röchlings Spitzname in der Klasse. Es ist mir ein liebes und fast
einziges greifbares Andenken an die ferne Schulzeit, ich habe es gut auf—
bewahrt und ergötze mich von Seit zu Seit an seinem Anblick.“
Auch herr Landgerichtsrat Wagner aus Trier, ein Freund des herrn
Professor Röchling, stellte mir eine Sammlung unveröffentlichter Skizzen
zur Verfügung, die der berühmte Schlachtenmaler als 10 jähriger Tertianer
ebenfalls meist in der Schule anfertigte und an seine Kameraden verschenkte.
Alle diese Federzeichnungen geben ein großartiges Zeugnis von dem außer⸗
ordentlichen Talent, welches schon in dem Knaben Röchling schlummerte.
Die Skizzen wurden, wie herr Landrichter Wagner mitteilte, mit fabel—⸗
hafter Geschwindigkeit entworfen. Ein Beweis für den scharfen Blick, den
Köchling schon in früher Jugend für Militärgestalten gehabt hatte. Be—
wundernswert, sagt er, ist, daß er selbst die französischen Uniformen frei
nach dem Gedächtnis zu zeichnen verstand. Diese höchst interessanten meister⸗
haften Erstlingsversuche des jungen Künstlers werden wir in der nächsten
Auflage dieses Werkchens bringen, um so mehr, da sie historische Momente
aus der Schlacht darstellen. Mit Bezug auf seine Erlebnisse schreibt Herr
Waltzinger aus Mainz folgendes:
Tertianer war ich damals. Meine Erlebnisse und Eindrücke bis zum
5. August sind vielleicht wert, heute bei der 40jährigen Wiederkehr
jener denkwürdigen Tage hier aufgezeichnet zu werden. In Saarbrücken
glaubten wir bei der Nähe der französischen Grenze, daß der erste Anprall
der Franzosen uns treffen müsse. Nichtsdestoweniger wurde der Unterricht
in unserm Gymnasium fürs erste nicht ausgesetzt. Freilich war unsere
fufmerksamkeit beim Schulunterricht keine allzu große mehr, unsere Ge⸗
danken weilten viel lieber draußen bei den 40 er Vorposten und den
blauen husaren.
Die Juli⸗Tage vergingen verhältnismäßig ruhig, denn die Vorposten⸗
plänkeleien zwischen unseren wackeren 40 ern und den Rothosen spielten
sich draußen ab, jenseits des Exerzierplatzes in der Nähe des heutigen
Ehrentals, zu weit von uns entfernt, als daß wir von der Schule aus
davon etwas hätten bemerken oder beobachten können. Dennoch hatte
das eilige Reiten der Ordonnanzen und der Verkehr der Infanterie—
Patrouillen für uns etwas ungemein Reizvolles, umsomehr, als es so
angenehm vom Unterricht ablenkte. Denn so oft auf der Straße der
hufschlag einer berittenen Ordonnanz oder Patrouille hörbar wurde,
schnellten wir von den Bänken auf und „reckten wie im Chor, die Röpfe