„nicht so leicht“, sagt Karl Röchling, „war das Nachhausekommen für
uns St. Johanner Schüler, da wir die alte Brücke passieren mußten, die
von dem das Saartal beherrschenden Winterberge her schon von den
Franzosen beschossen wurde. Unser braves häuflein Cruppen — 40 er —
hatte sich nach einer heroischen stundenlangen Verteidigung kämpfend
zurückgezogen.
Es dauerte nicht lange, da kamen auch schon auf der offenen Ufer⸗
straße der Saar entlang die versprengten Mannschaften der 5. und 6.
Kompagnie, die auf dem Winterberg das ungleiche Gefecht aufgenommen
hatten. Mit Staub bedeckt, dunkelbraun gebrannt von der Sonne, erschienen
sie uns Jungen wie wahre helden. Ich überschritt mit meinen Kameraden
mitten im RKugelregen die Brücke, wie dies mit Lebensgefahr so viele andere
Ceute tun mußten. Als wir mitten auf der Brücke waren, pfiff auf einmal
ein ganzer Schauer von Kugeln über unsere Köpfe weg. Plötzlich taumelte
ein Vierziger gerade vor uns. Ich sprang hinzu, konnte ihn aber allein
nicht halten; man eilte mir zu hilfe, und wir brachten den UArmen in den
hausflur des ersten Eckhauses und legten ihn auf eine herbeigebrachte Matratze.
Er war mitten in die Brust geschossen und starb kurze Zeit nachher. Nie
werde ich diese Szene vergessen.“ — Röchling hat sie später bildlich dar⸗
gestellt.
Cine Episode kurz vor der Schlacht bei Spichern möge hier nur erwähnt
werden, da sie einerseits Zeugnis ablegt von der unglaublichen Verwegen—
heit unsrer damaligen Gymnasiasten, anderseits aber auch von ihrem edlen
Wetteifer, sich im Dienste des Vaterlandes nützlich zu machen:
Die Gymnasiasten, wenigstens ein großer Teil derselben, hatten nämlich,
als die 40er und die Ulanen am 2. August abgezogen waren, ihre Streif—
züge auf eigene Faust fortgesetzt. In dieser unternehmenden Gesellschaft,
die sich in die unmittelbare Nähe des französischen Lagers wagte und die
waghalsigsten Abenteuer unternahm, war Karl Röchling einer der kühnsten.
Seiner Teilnahme an diesen Exkursionen verdanken wir die prächtigen
Kriegsbilder. In dem „Universum“, 8. Jahrgang, erzählt Röchling, wie er
am 6. UHugust (die Franzosen hatten sich in der Nacht vom 5. auf den 6.
auf den Rotenberg zurückgezogen), sich morgens um 4 Uhr aus seinem
elterlichen Hause geschlichen, den nächsten Weg über die Gartenmauer ge—
nommen und mit einem Schippenstiel versehen, mit einigen äpfeln als Weg⸗
zehrung in der Tasche, sich auf den Weg gemacht habe. Oben auf dem
Wege nach Spichern traf er eine Rotte von Buben, die beutebeladen daher
kamen, mit Uniformstücken, Tschakos, Käppis, Pompons geschmückt — einer
paradierte sogar in roten Hosen — die im Triumph hinunter in die Stadt
zogen. Eine Anzahl Gymnasiasten hatten sich Röchling inzwischen zugesellt,
sodaß sie eine Truppe von 15 Mann bildeten. So zogen sie oder krochen