Schule. Es gab eine große Untersuchung, bei der jedoch wenig herauskam.
Die Folge war ein strenges Verbot seitens des Direktors, uns künftig auf
französisches Gebiet zu wagen, denn die große Schlacht mit den Lothringer
Buben fand oben auf dem s3picherer Berg statt, der damals noch zu
Frankreich gehörte.
Einen dummen Scherz möchte ich hier noch erwähnen, den sich ein
Tertianer jener Zeit in der Klasse erlaubte. Offenbar aus Unmut, daß
wir zu einer Zeit, wo es so viel Interessantes auf den Vorpostenstellungen
zu sehen gab, an die Schule gefesselt waren, hatte sich Kobert Kliever, dies
war sein Name, zu einem Geniestreich die günstigste CLehrstunde ausgesucht.
Es war nämlich in der Unterrichtsstunde eines herrn Oberlehrers, dessen
Gutmütigkeit und Nachgiebigkeit von den jungen herren vielfach mißbraucht
wurde. Kliever war während des Unterrichts von 10211 Uhr mit Er—⸗
laubnis des herrn Oberlehrers ausgetreten, kam aber plötzlich mit allen
Zeichen des Schreckens in die Klasse zurückgestürzt mit dem Rufe: „Die
Franzosen kommen, die Franzosen kommen, sie sind schon im Anzug!“ Alle
sprangen wie elektrisiert auf die Beine, griffen nach ihren Mützen und
stürzten mit Zurücklassung ihrer Bücher aus der Klasse, und nur der herr
Oberlehrer, der den Ansturm der Schüler unmöglich aufhalten konnte, blieb
ganz verdutzt zurück ....
Endlich kamen die Franzosen wirklich! Westlich von Forbach ragt
ein Zipfel preußischen Gebiets nach Lothringen hinein. Auf diesem Zipfel
liegt im Walde versteckt die Oberförsterei Karlsbrunn, wo der Oberförster
Solff, als holzfäller verkleidet, in seinem Grenzrevier umherstreifte und
scharfe Wache hielt. Da, am 18. Juli mittags, bemerkte er eine gewaltige
staubwolke auf der Straße; dazwischen sah er Waffen blitzen: der Feind
war da! Dort kamen sie herangezogen in zahllosen Scharen: Infanterie,
Navallerie und Artillerie. Sofort telegraphierte der Oberförster an das
Divisionskommando nach Trier, und die Meldung ging nach Saarbrücken.
Schon am Abend waren das 66. und 67. Linien-Kegiment, sowie die
5. Chasseurs bei Forbach angekommen. Es erfolgte die erste Grenzüber—⸗
schreitung beim Zollhaus, wo die Franzosen die Zollkasse plünderten und
die zwei Zollwächter gefangen nahmen. Die ca. 50 französischen Chasseurs,
die diese Heldentat verübten, wurden jedoch von unseren Ulanen schleunigst
zurückgetrieben.
Obwohl nun seit dem 19. Juli der kleine Krieg der Vorposten sich
in unmittelbarer Nähe abspielte, wurde der Unterricht zu unserm größten
Ceidwesen weitergeführt. Von einer Aufmerksamkeit, willkürlichen oder
unwillkürlichen, wie die Pädagogik sie unterscheidet, konnte im Unterricht
keine Kede mehr sein. Trotzdem waren die Schulstunden zu unserm Besten
angesetzt, und diese weise Anordnung des Direktors hat vielleicht manchen
oon uns vor einer unfreiwilligen Keise nach Metz bewahrt. Denn auf