der Suche nach Nahrungsmitteln hatten sie jedoch am meisten Furcht vor
den Ulanen, die wie ein Blitz auf ihren Vorposten auftauchten und ihre
gefürchteten Waffen zu führen wußten, nicht minder unsere braven
Dierziger: „Nix ulan ici, nix vierzikꝰ“ war immer ihre erste Frage. Unser
haus, erzählt Carl Richter weiter, lag an der Metzerstraße am Fuße
der Gärten des sogenannten Trillers, wo die Franzosen sich eingenistet
hatten und mittels eines Fußpfades, der direkt auf die Metzerstraße
mündete, Streiferkursionen nach der Stadt machten, um Lebensmittel zu
ergattern. Gerade unserm hause gegenüber, hinter dem Hauptzollamt
mündete dieser Triller-Bergpfad, und es dauerte nicht lange, da schob
ein Franzose nach dem andern um die Ecke, aber in demselben Moment
bekam ein Franzose einen Schuß ins Bein. Die Franzosen nun, in dem
Plauben, der Schuß sei aus unserer Wohnung gekommen, stürmten ins
haus und fanden beim Durchsuchen desselben eine Uniform meines ver—⸗
storbenen Vaters, der Zahlmeister bei dem 7. Ulanen-Regiment war. Meine
Mutter und Geschwister hatten sich in den Keller geflüchtet und der Primaner
Dickhoff, welcher bei uns wohnte, pflanzte sich mit einem Beile vor der
Nellertür auf, indem er ein über das andere mal rief: „Nur über meine
Teiche kommt man hier in diesen Keller!“ Doch glücklicherweise kam es
nicht zum Blutvergießen. Es gelang mir inzwischen, mit meinem Tertianer—
Französisch die Franzosen zu beruhigen, da inzwischen eine andere Rotte
in unserer Nähe den wohlgefüllten Six'schen Bierkeller entdeckt hatte. Ein
Teil derselben hatte schon das Kellertor eingeschlagen, alle Feldflaschen,
Kochgeschirre und Eimer und Gießkannen vollgefüllt, und watete schließlich
in der Trunkenheit buchstäblich bis an die Knöchel im Biere; denn nach
der Stillung ihres Durstes schlugen sie die Fässer ein und ließen ca. 15000
Quart Bier laufen. Uuf ähnliche Weise erging es dem Lukas'schen Wein⸗
keller in Arnual, den Sekt hatten sie glücklicherweise dort nicht entdeckt.
Noch eine Episode aus dem Vorpostendienste möchte ich erwähnen:
Die Schüler waren damals ohne Furcht und Grauen, und so sind wir —
und da ist hauptsächlich der Gymnasiast Kliever zu nennen — zu verschiedenen
Malen bis an den Fuß des Spicherer Berges gekrochen, während auf
der höhe die Chasseurs standen; auch standen wir einmal bei 2 Vorposten
unterhalb des Exerzierplatzes, während auf der höhe des Spicherer Berges
ein Chasseur zu Pferde die Wache hatte. Unsere zwei Vorposten und wir
waren gedeckt, wir standen hinter einem Erdhügel. — Da sagte ein
Vierziger: Paßt mal auf, Jungens, den hole ich herunter! Und wirklich,
im Nu sahen wir ihn vom Pferde stürzen. Bei dieser Gelegenheit erhielt
auf unsrer Seite ein Junge namens Kilian, wenn ich nicht irre, einen
s„chuß durch's Bein. —