Die Ulanen verließen am selben Tage die Stadt und bezogen in
Dudweiler Quartier, kehrten aber abwechselnd zurück, um im Verein mit
den Vierzigern die Vorpostenstellungen einzunehmen.
Seit langen Jahren lagen diese Ulanen in Saarbrücken. Sie waren
dort so beliebt und standen vielfach in freundschaftlichen Beziehungen zu
den Bürgern, vor allen Dingen waren sie die Lieblinge der jungen
Gymnasiasten. Der Vater des Gymnasiasten Carl Richter war Regiments-⸗
zahlmeister, und sein Schwager Feldzahlmeister bei den Ulanen. Der Vater
eines Freundes von Richter, namens Carl Vossen, war Wachtmeister und
wohnte in der Kaserne in der Wilhelmstraße. In derselben Straße lag
auch die alte „Post“, (Hotel Zix), das Hhauptquartier des Majors und späteren
Oberstleutnants von Pestel, des Anführers jener kleinen Schar, deren un—
verwüstliche Ausdauer und vorzügliche Haltung beim Ausbruche des Krieges
in allen Ländern Europas Aufmerksamkeit erregte. Das Gymnasium lag
dicht daneben. Es hatte damals noch in der alten, zum Schulhaus umge⸗
bauten reformierten Kirche mit ihrem mächtigen Mauerwerk seinen Sitz.
Die CLage des hauptquartiers war also eine für die Gymnasiasten sehr
zünstige insofern, als die kriegerisch gestimmte Jugend beständig über die
militärischen Unternehmungen auf dem LCaufenden war.
Nebenbei wollen wir noch bemerken, das die besser situierten jungen
saarbrücker, die den Berechtigungsschein am Gymnasium erworben hatten,
meist als Einjährig-Freiwillige im 7. Ulanenregiment dienten, also später
mit den Gymnasiasten noch vielfach Fühlung hatten. So 3. B. waren bei
dem Bombardement am 28. Juli die wachhabenden Ulanen auf der „Bellevue“
von dem Unteroffizier (später CLeutnant) Karl Karcher befehligt.
sEAn einem Sonntage, ich glaube, es war der erste nach der Kriegs⸗
erklärung, erzählt Richter, besuchte ich mit Carl Vossen, dessen Eltern, wie
schon bemerkt, in der Kaserne wohnten, meinen Schwager hirche, welcher
damals Feldzahlmeister bei den Ulanen war, in Dudweiler. Abends spät
zu Fuß zurückgekehrt, fanden wir die Kaserne jedoch verschlossen. Rurz
entschlossen wanderten wir nach dem Exerzierplatz und biwakierten mitten
unter den Ulanen, bis der Tag anbrach, wo wir den Rückweg antraten
und von der Mutter nicht gerade sanft empfangen wurden. Wir kamen
uns damals als Männer vor und wären sofort mit in den Krieg gezogen
Seit dem 19. Juli, dem Tage der Kriegserklärung, erzählt Dr. Paul
Brandt*), hatten wir die französischen Vorposten in unmittelbarer Nähe
der Stadt, die täglich von den beunruhigendsten Gerüchten durchschwirrt
wurde, obwohl die Bürger im allgemeinen ihre ruhige haltung bewahrten.
*) In seinem prächtigen Lebensbilde seines Vaters, in welchem sich unge⸗
schminkte Wahrheit und Pietät vereinigt. (Gütersloh).