im Gefolge hatte. Wahrlich, es war eine Seit, die wir miterleben durften,
die wohl dazu geeignet war, eines jugendlichen Gymnasiasten herz in
Begeisterung zu versetzen.
Mit unserm lateinischen Aufsatz waren wir rechtzeitig fertig.
Mit Bezug auf den letztern sind heute noch die Ansichten sehr
geteilt. Er hatte die Ehre gehabt, von kaiserlicher Hand zu fallen, hohe
und gelehrte herren haben an seinem Grabe gesprochen, seine posthume
Ernennung zum „Obersten aller Leitartikel“ wird ihm ein respektvolles
Andenken sichern. Trotzdem hatte er bis in die letzte Zeit noch viele
Anhänger. Huf dem 7. Allgemeinen Tage für deutsche Erziehung hat der
Privatdozent Dr. Hugo Göhring über das Scheitern der kaiserlichen Schul⸗
reformbestrebungen einige interessante Mitteilungen gemacht. So soll
Oskar Jäger, „den man später zur Geschichtsbelehrung des Kronprinzen
zu einer Professur in Bonn kommandiert hatte“, bei den privaten Be—
ratungen am 10. Dezember 1890 wörtlich gesagt haben: „Wenn der Kaiser
den lateinischen Aufsatz abschafft, führe ich ihn wieder auf Umwegen ein.“
Ein Hauptgrund, den die Gegner des lateinischen Aufsatzes geltend
gemacht haben, war die mitunter unehrliche Entstehungsweise desselben
seitens mancher Schüler. Im hinblick auf diese Tatsachen schwiege der
Verfasser dieser Zeilen, der in jener Zeit Primaner des Friedrich-Wilhelms⸗
iyymnasiums in Cöln war, am liebsten ganz von den Kleinigkeiten seiner
persönlichen Schülererinnerungen. Es handelt sich dabei um mehr oder
minder wörtliches Abschreiben einzelner Abschnitte, beziehungsweise des
ganzen Aufsatzes aus gedruckten Büchern oder aus den heften früherer
Sschüler. Die Versuchung, durch Täuschung des Lehrers eine gute Zensur
zu erschwindeln, lag ja für manchen Schüler nahe, das ist nicht zu leugnen.
Doch dies waren sehr vereinzelte Fälle. Aufsätze, welche ältere Schul⸗
generationen zu Verfassern hatten, waren den meisten von uns nicht zu—⸗
zänglich. Am Schlusse des Jahres wurden die Aufsatzhefte von der Schule
zurückbehalten, und außerdem war bei jedem Aufsatze das Konzept mit
abgeliefert worden. Was daher von alten Aufsatzmanuskripten vorhanden
war, das mochte aus Schülerverbindungen stammen und kursierte lediglich
zwischen den wenigen auf diesem Gebiete „eingeweihten“ Kameraden. Die
Themata unserer Aufsätze schlossen sich nämlich fast durchweg entweder an
die Lektion des lateinischen RAutors an, oder sie waren aus der griechischen
und römischen Geschichte gewählt. So lautete beispielsweise unser Thema
damals in der schriftlichen Abiturientenprüfung „Oantum patriae amor ad
rempublicam augmendam et stabiliendam valuerit, exemplis historiae
petitur“. Gewiß ein schönes Thema, für das sich ein jeder patriotische
Oberprimaner begeistern konnte, ohne zu unredlichen Mitteln zu greifen.
Nachmittags machten wir einen gemütlichen Bummel. In den Städten
herrschte ein reges Leben, und es gab manches zu sehen und zu hören.