Vorspiel zukünftigen Kampfes um das Vaterland, die Saarbrücker Gymna⸗
fiasten aus den fünfziger Jahren waren also schon gute Patrioten. Es war
ein Ausnahmefall, wenn einer von uns aus ererbter Familientradition noch
für den alten Napoleon schwärmte. Meist waren wir gehörige Franzosen⸗
fresser, wenn uns auch Namen wie ,pPelissier“, des zeitweiligen Höchstkomman⸗
dierenden im nahen Metz, und die Schauergeschichten, die von ihm erzählt
wurden, einiges Unbehagen verursachten. Wir meinten, erst kriegen wir
vielleicht Haue, aber hernach zahlen wir sie reichlich zurück, wenn wir
Deutsche einmal recht böse geworden sind. Zu unsern aus Saarlouis
stammenden Mitschülern, die, stolz auf ihren Marschall Ney, geflissentlich
französische Sympathien zur Schau trugen, standen wir in erklärtem Gegen⸗
satz. Unsere Begeisterung für deutsches und preußisches Wesen, für die
hohenzollern und für alles Kriegerische und Soldatische fand vielfachen Aus—
druck. Während die heutige Jugend mit Absicht und leider nicht immer
mit Erfolg von blasiertem Großstadtwesen hinweg zur Freude an dem Leben
und Weben in der Natur erst erzogen werden muß, kannten wir von selbst
keine größere Freude, als nach Beendigung der Schularbeit in den Wiesen⸗
gründen und dem hochwald herumzustreifen. Im Winter bauten wir uns
mächtige Burgen aus Schnee, die unter lebhaftem Kampf berannt und ver⸗
teidigt wurden, im Sommer errichteten wir in wilden Schluchten aus
wuchtigen Steinen, aus Erde und Rasen Festungen, um die dann manche
Schlacht tobte. Ich denke noch mit heiterkeit daran, wie einer der Freunde
bei solcher Gelegenheit den halben Spichererberg hinunterrollte; 1870 stand
er als Soldat an derselben Stelle im Kugelregen. Zuweilen lagen ganze
Stadtteile oder Straßen mit einander im Kampfe; besonders waren die Be⸗
wohner einer Bergstraße ein kampfmutiges Geschlecht, wie alle Gebirgs⸗
bewohner. Ich erinnere mich noch aus meiner frühesten Unabenzeit, daß
diese Hahner, wie sie hießen, im Jahre 1848 an unserem hause, in das
sich eine Schar Talbewohner geflüchtet, mit Stangen die haustüre belagerten
und mit Geschrei angriffen. Einige Offiziere des Husarenregiments standen
vor der nahen Kaserne und hatten ihren heidenspaß an dem Kriegsspiel
der Buben. Nicht lange darauf opferten sie in blutigem Kampf in Baden
ihr Leben an der Seite des jungen Prinzen Friedrich Karl.
Unser Patriotismus zeigte sich aber auch bei unseren geistigen Beschäftig—
ungen. Nicht nur schwärmten wir mit Vorliebe für die Dichter der
Freiheitskriege, für Körner, Arndt, Schenkendorf, Rückert, sondern wir
versuchten uns auch in eigenen vaterländisch gesinnten Reimereien. Unsere
Cust an Poesie und dramatischem Spiel führte uns in den großen Herbst—⸗
ferien zusammen zu einer kleinen Theatergesellschaft. O, mit welcher Wonne
haben wir auf den Brettern gestanden und Gutes und Schlechtes vor einem
freundlichen Publikum vorgebracht, so gut wir es konnten, sicher mit Cifer
und Begeisterung. Wenn wir Jugendfreunde zusammen kommen, schwärmen