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bieten sattelfest, nachdem jeder zuvor die betreffenden Kapitel für sich
allein repetiert hatte. Das Kränzchen versuchte am 8. Januar die erste
Sitzung zu halten, brachte sie aber wegen mangelnden Ernstes der Teil⸗
nehmer nicht zustande. Das Examen schien der Klasse eben noch in zu
nebelgrauer Ferne zu liegen. Erst als die schriftliche Prüfung vorbei und
die mündliche in Aussicht gestellt war, wurde mit der Repetition begonnen.
Auch in anderen Beziehungen fühlten wir uns in der ZSeit nach über—
standenem schriftlichen Cxamen nicht mehr so peinlich streng an alle Einzel—
heiten der Schulordnung gebunden. Wir fühlten uns schon als eine Ert
„mulus“. O, schöne Mauleselzeit! Es gibt keine glücklichere Zeit in
unserem ganzen Leben als diese, obwohl der „Spitz', den man den
jungen herren gegeben hat, nicht sehr poetisch lautet. Muli — Maulesel
nennt man sie nämlich, weil sie eine Art Mischform vorstellen, sie sind
nicht mehr, was sie waren, und sind noch nicht, was sie sein werden. Nein,
dem himmel sei Dank. Die neun Jahre gehören glücklicherweise, wie oft
gesagt wird, zu den überstandenen ÜUbeln. Doch was sage ich da — neun
Jahre? Der Deutsche ist bekanntlich, wenn er sich aufs Denken verlegt,
äußerst gründlich. Kein Wunder, daß unsre angehenden Denker diese
oder jene Klasse ihrer interessanten Lehrgegenstände wegen einer Wieder⸗
holung würdig erachten. — Doch gleichviel — die lange, lange Penalzeit
liegt endlich hinter ihnen, und vor ihnen liegt die schöne freie poetische
Studentenzeit, doppelt poetisch im Lichte hoher Erwartung.
Und doch — wie schön war die Penälerzeit! Schöne Jugendzeit! Könnte
man doch mit Faust zum Augenblick sagen:
Verweile doch! Du bist so schön!
Und erst die schöne, frei poetische Studentenzeit, von der das schöne
Lied sobald schon wehmütig klagt:
O alte Burschenherrlichkeit,
Wohin bist du geschwunden?
Welch schöne Erinnerungen sich an die Saarbrücker Gymnasialzeit
knüpfen, möchten wir hier noch kurz berühren.
Vor dem großen Krieg war die Gegend von Saarbrücken ihres Kohlen⸗
reichtums wegen bekannt genug; nur gewann sie jetzt ein noch wärmeres
Interesse; denn mit Freuden nahm man in Deutschland wahr, wie gut
vaterländisch die Einwohner Saarbrückens gesinnt waren. Die Mehrzahl
der Bürger, zumal die Jugend, war gut preußisch gesinnt. Als wir einmal
als Knaben vor der Stadt spielten, kam ein Bettler daher und forderte sich
auf französisch eine Gabe. Da fuhr ihn einer der Spielkameraden, ein
entschlossener Bursche, an, wie er sich unterstehen könne, auf deutschem Boden
französisch zu betteln. Die Freude der Jugend am Vaterland, besonders an
Preußen und seinen Fürsten nahm ganz spezielle Gestalt an. In Wald und
Schlucht bauten wir Festungen, die wir verteidigten und erstürmten, ein