Primaner seinen deutschen Unterricht noch zu genießen. Er wurde erst im
Jahre 1863 pensioniert. Pfarrius verstand es, das Gemüt und die Phantasie
einer Schüler in hohem Grade fruchtbar anzuregen. Mancher Schüler hat
durch ihn die erste Anregung zur Dichtkunst in sich aufgenommen dadurch,
daß er ein Gedicht einem deutschen Aufsatz als gleichwertig einschätzte.
Beispielsweise wurde ein kleines Maigedichtchen des Verfassers dieses
Buches von ihm einmal in Oberprima mit seiner besten Censur bedacht.
Es mag hier als Erinnerung an die schöne Jugendzeit seine Stelle finden:
Sehnsucht nach der Heimat.
Röln im Mai 1862.
Im schönen Maienmonde,
Wenn jede Knospe springt,
Und süß in laue Lüfte
Ihr duft'ger Atem dringt,
Wenn Alles neu erstehet
In wunderbarer Pracht —
Da ist in meinem herzen
Die Sehnsucht auch erwacht.
Zur heimat, ach zur heimat
Zieht's mich so mächtig hin,
Wo Seld und Wald jetzt grünen,
Zur heimat möcht' ich ziehn!
Zum dunklen Tannenwalde,
Der „Wälderspieß“*) dort krönt,
Wo sich mit bunten Wiesen
Das Lautertal verschönt.
Zum wunderschönen Glantal,
Den sonnig grünen Au'n —
Wie gern möcht' ich noch einmal
Im Frühlingskleid Euch schau'n!
Dich Gärtchen, das so sorgsam
Als Knabe ich gepflegt,
Die zarten jungen Bäumchen,
Die einstens ich gehegt.
Die bunten Blumenbeete,
Vom jungen Lenz betaut —
Wie hab' in meinen Träumen
So oft ich Euch geschaut!
O heimat, trautes Städtchen,**
Euch sanfte Kebenhöh'n,
Cuch Plätze meiner Jugend,
Werd' ich Euch wiedersehn?
Die Tätigkeit der Gymnasiallehrer überhaupt beschränkte sich nicht
blofz auf die Schule, sondern befruchtete auch das öffentliche Leben;
Ottemann gründete den Instrumentalverein, den er selbst eine Zeit lang
leitete. Schröter rief 1840 den historisch-antiquarischen Verein ins Leben.
Goldenberg, ein hervorragender Geologe, hat sich Verdienste um die Er—
forschung der Saarbrücker Steinkohlenformation erworben. Schmitz schrieb
die Geschichte des Anschlusses der Grafschaft an Preußen. Schwalb machte
in den Jahresberichten von 1832 und 1848 einen Anfang zu einem
»‚wWälderspieß“ ist der mit Tannenwald und Weinbergen bepflanzte letzte
fAusläufer des Cautertals, das, dem Grumbachertal gegenüber, in das breite Glantal
mündet.
**) Am Susammenfluß der Lauter in den Glan liegt die alte Veldenzische
Kesidenz Lauterecken (an der Lauter Cck).